Alles rund ums Licht

In einem Regal mit 0,2 Meter Tiefe wären die Streifen auf jeden Fall interessant. Es ist ja schon etwas später im Jahr und da möchtest Du sicher schnelles Wachstum. Dafür würde ein Streifen pro Regalfach gut reichen. Falls die Breite genau 1 Meter ist, würde ich aber nur einen 90 cm-Streifen nehmen, weil das Anschlusskabel auch noch Platz braucht. Vielleicht gibt es auch ähnlich effiziente LED-Leisten, aber ich konnte bisher keine finden. Die Modelle bei Amazon liegen immer bei 120 Lumen pro Watt oder weniger. 🤷‍♂️
Auf dem Papier ist die Briloner-LED zwar effizienter, aber wenn Du die Chilis im Regal besser unterbekommst, wäre das natürlich auch ein Argument.
 
Da es in diesem Thread besser aufgehoben ist und immer noch pünktlich zum Angebot bei den üblichen Discountern hier mal eine Einordnung mit Bezug zur Wachstumsphase - oder auch: Warum keine rosa (Rot/Blau) Lampe und warum „Watt/m²“ nicht taugt.

Es geht im Folgenden NICHT um Ganzjahres-Stealth-Anbau im Growzelt sondern um das Vorziehen von Chilis bevor man sie ins Freiland setzt. Daher reden wir hier über eine von den Pflanzenbedürfnissen gut abgegrenzte Phase:
  • Start: Keimlinge / Keimblätter, ca. 2–6 cm Höhe
  • Ende: Freilandtaugliche Pflanzen
  • Ziel: kompakter Wuchs, kurzer Internodienabstand, dicker Stängel, Wurzelaufbau.
  • Nicht: maximale Biomasse / Blüte
1. Spektrum: Problem „rosa Growlight“ bzw. typische rosa Lampen
  • Blau: ~450 nm
  • Rot: ~630–660 nm
  • Fehlt: Grün / Cyan / Gelb (500–580 nm)
Warum das in dieser Phase schlecht ist:

a) Ungünstige Phytochrom-Steuerung
  • Rot (660 nm) ↔ Fernrot (730 nm) steuert Streckung
  • Viele günstige Rot/Blau-Lampen sind rotlastig
  • Folge: Pflanze interpretiert „Konkurrenz/Schatten“, also Streckwachstum trotz Growlight
b) Blau allein reicht nicht
  • Blau (430–470 nm): hemmt Längenwachstum, fördert kompakte Morphologie
  • Aber: Verhältnis Blau ↔ Rot ist kritisch, ohne Grün fehlt Regulation
c) Fehlendes Grün = falsche Entwicklungssignale
  • Grün (500–580 nm): dringt tiefer ins Blatt, wirkt regulierend auf Photorezeptoren, stabilisiert Pflanzenbau
  • Keimlinge profitieren besonders davon
  • Kurz: rosa Licht liefert Energie, aber schlechte Wachstumsinformation, weil grün fehlt
2. Warum weißes Vollspektrum hier besser ist

Weißes Licht (4000–6500 K) enthält:
  • Blau (Morphologie)
  • Grün (Regulation, Tiefenwirkung)
  • Gelb
  • Rot (Basis-Photosynthese)
Ergebnis:
  • natürliches Signalprofil
  • kompakter Wuchs
  • geringeres Streckrisiko
Für Keimlinge ist Signalqualität wichtiger als Maximalleistung.

3. Problem „80 W pro Quadratmeter“ - Warum diese Faustformel hier nicht gilt

a) Watt ≠ Pflanzenlicht. Watt = elektrische Leistung und das sagt nichts über:
  • Spektrum
  • Effizienz (µmol/J)
  • Lichtmenge am Blatt
b) Keimlinge brauchen wenig PPFD
  • Typisch Keimlingsphase: etwa 150–250 µmol/m²/s, oft bereits bei 8.000–15.000 Lux
  • 80 W/m² liegen häufig weit darüber
Risiko:
  • Stress
  • Photoinhibition
  • Wachstumsstopp statt Kompaktheit
c) Abstand schlägt Watt
  • 10 cm vs. 20 cm = Faktor ~4 Unterschied
  • „W/m²“ ohne Abstand ist physikalisch wertlos
4. Sinnvolle Kriterien für diese Phase:
  • Spektrum: Weiß (4000–6500 K), optional wenig 660 nm, kein reines Rot/Blau
  • Lichtmenge: Ziel 8–15 kLux am Blattdach. Messung entweder für 15-20€ ein Luxmeter oder für 0€ eine Smartphone-App. Wenn man sieht, was manche Leute an Licht auf ihre Pflanzen packen, dann rechnet sich ein Luxmeter irgendwann über die Stromrechnung - und ist im Vergleich zu den Gesamtausgaben für das Hobby eher marginal, dafür großér Einfluss.
  • Abstand: meist 10–25 cm, je nach Lampe. Wichtig ist das Licht, das ankommt - selbst die kostenlose Smartphone-Messung ist um Welten besser als die Abschätzung "Watt/m²". Der Abstand muss so einreguliert werden, dass die Lichtleistung passt.
  • Photoperiode: 14–16 h
 
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