Da es in diesem Thread besser aufgehoben ist und immer noch pünktlich zum Angebot bei den üblichen Discountern hier mal eine Einordnung mit Bezug zur Wachstumsphase - oder auch: Warum keine rosa (Rot/Blau) Lampe und warum „Watt/m²“ nicht taugt.
Es geht im Folgenden NICHT um Ganzjahres-Stealth-Anbau im Growzelt sondern um das Vorziehen von Chilis bevor man sie ins Freiland setzt. Daher reden wir hier über eine von den Pflanzenbedürfnissen gut abgegrenzte Phase:
- Start: Keimlinge / Keimblätter, ca. 2–6 cm Höhe
- Ende: Freilandtaugliche Pflanzen
- Ziel: kompakter Wuchs, kurzer Internodienabstand, dicker Stängel, Wurzelaufbau.
- Nicht: maximale Biomasse / Blüte
1. Spektrum: Problem „rosa Growlight“ bzw. typische rosa Lampen
- Blau: ~450 nm
- Rot: ~630–660 nm
- Fehlt: Grün / Cyan / Gelb (500–580 nm)
Warum das in dieser Phase schlecht ist:
a) Ungünstige Phytochrom-Steuerung
- Rot (660 nm) ↔ Fernrot (730 nm) steuert Streckung
- Viele günstige Rot/Blau-Lampen sind rotlastig
- Folge: Pflanze interpretiert „Konkurrenz/Schatten“, also Streckwachstum trotz Growlight
b) Blau allein reicht nicht
- Blau (430–470 nm): hemmt Längenwachstum, fördert kompakte Morphologie
- Aber: Verhältnis Blau ↔ Rot ist kritisch, ohne Grün fehlt Regulation
c) Fehlendes Grün = falsche Entwicklungssignale
- Grün (500–580 nm): dringt tiefer ins Blatt, wirkt regulierend auf Photorezeptoren, stabilisiert Pflanzenbau
- Keimlinge profitieren besonders davon
- Kurz: rosa Licht liefert Energie, aber schlechte Wachstumsinformation, weil grün fehlt
2. Warum weißes Vollspektrum hier besser ist
Weißes Licht (4000–6500 K) enthält:
- Blau (Morphologie)
- Grün (Regulation, Tiefenwirkung)
- Gelb
- Rot (Basis-Photosynthese)
Ergebnis:
- natürliches Signalprofil
- kompakter Wuchs
- geringeres Streckrisiko
Für Keimlinge ist Signalqualität wichtiger als Maximalleistung.
3. Problem „80 W pro Quadratmeter“ - Warum diese Faustformel hier nicht gilt
a) Watt ≠ Pflanzenlicht. Watt = elektrische Leistung und das sagt nichts über:
- Spektrum
- Effizienz (µmol/J)
- Lichtmenge am Blatt
b) Keimlinge brauchen wenig PPFD
- Typisch Keimlingsphase: etwa 150–250 µmol/m²/s, oft bereits bei 8.000–15.000 Lux
- 80 W/m² liegen häufig weit darüber
Risiko:
- Stress
- Photoinhibition
- Wachstumsstopp statt Kompaktheit
c) Abstand schlägt Watt
- 10 cm vs. 20 cm = Faktor ~4 Unterschied
- „W/m²“ ohne Abstand ist physikalisch wertlos
4. Sinnvolle Kriterien für diese Phase:
- Spektrum: Weiß (4000–6500 K), optional wenig 660 nm, kein reines Rot/Blau
- Lichtmenge: Ziel 8–15 kLux am Blattdach. Messung entweder für 15-20€ ein Luxmeter oder für 0€ eine Smartphone-App. Wenn man sieht, was manche Leute an Licht auf ihre Pflanzen packen, dann rechnet sich ein Luxmeter irgendwann über die Stromrechnung - und ist im Vergleich zu den Gesamtausgaben für das Hobby eher marginal, dafür großér Einfluss.
- Abstand: meist 10–25 cm, je nach Lampe. Wichtig ist das Licht, das ankommt - selbst die kostenlose Smartphone-Messung ist um Welten besser als die Abschätzung "Watt/m²". Der Abstand muss so einreguliert werden, dass die Lichtleistung passt.
- Photoperiode: 14–16 h