Das sieht nicht primär nach Eisenmangel aus. Eisenmangel würde bei Chili/Rocoto eher so aussehen: Junge Blätter hellgelb, aber die Blattadern bleiben deutlicher grün; die Blattform bleibt zunächst relativ normal. Hier sind die jungen Blätter klein, blasig/verkrüppelt, nach unten eingerollt, glänzend-lederartig und mit vertrocknenden Spitzen.
Meine wahrscheinlichste Diagnose wäre:
Hauptverdacht: Weichhautmilben / Breitmilben
Bei Chili/Paprika verursachen Breitmilben genau dieses Muster: deformierter Neuaustrieb, nach unten eingerollte junge Blätter, gestauchtes Wachstum, lederige/bronzeartige oder nekrotische Blattspitzen. Die Tiere selbst sieht man mit bloßem Auge praktisch nicht zuverlässig; man braucht eher 60x bis 100x Vergrößerung und muss an den ganz jungen Triebspitzen und Blattunterseiten suchen.
Die Aussage „es sind keine Tiere zu sehen“ schließt Breitmilben daher nicht aus. Im Gegenteil: Bei sichtbaren Blattläusen, Spinnmilben oder Thripsen würde man oft eher Spuren, Häutchen, Gespinste, Kotpunkte oder silbrige Fraßstellen sehen. Hier wirkt es eher wie ein unsichtbarer Saugschaden am Wachstumspunkt.
Zweite Möglichkeit: Calcium-Transportstörung nach Umpflanzstress
Die andere plausible Erklärung ist kein absoluter Calciummangel im Boden, sondern ein Calcium-Transportproblem nach dem Umpflanzen: Wurzeln gestört, starke Sonne/Wind, schwankende Wasserversorgung, schnelles Wachstum. Calcium bewegt sich schlecht in junge, schnell wachsende Gewebe; Symptome können kleine, deformierte, gelbliche junge Blätter und Nekrosen an Spitzen/Rändern sein.
Das passt teilweise zu den vertrocknenden Spitzen. Aber die starke Blasen-/Kräuselstruktur und das nach unten eingerollte, verkrüppelte Neuwachstum sprechen für mich stärker Richtung Breitmilbe/Weichhautmilbe als für reinen Nährstoffmangel.
Eisenmangel: eher nein. Die Blätter sind zwar hellgrün, aber die Deformation ist zu stark. Eisen macht keine so typischen blasigen, lederigen, eingerollten Jungblätter.
Magnesium-/Stickstoffmangel: eher nein. Diese beginnen typischerweise stärker an älteren Blättern beziehungsweise gleichmäßiger, nicht so extrem am frischen Trieb.
Beet/Erde allgemein: Dass 1 m daneben eine andere Rocoto gut wächst, schließt Bodenprobleme nicht komplett aus, macht aber einen lokalen Wurzelschaden, Sortenunterschied oder Schädlingsbefall an genau dieser Pflanze wahrscheinlicher.
Was ich konkret tun würde: Zuerst die Pflanze wie Breitmilbenbefall behandeln, weil bei diesem Schadbild frühes Handeln entscheidend ist.
- Triebspitzen mit Lupe/Mikroskop kontrollieren
Nicht auf alten Blättern suchen, sondern an den jüngsten, eingerollten Blättern, Blattunterseiten und Knospen. Bei Breitmilben findet man oft eher Eier/kleine helle Punkte als klar erkennbare Tiere.
- Stark deformierte Triebspitzen entfernen
Die schlimmsten verkrüppelten Spitzen können weg. Das reduziert Befallsdruck und zwingt die Pflanze zu neuem Austrieb. Danach sieht man nach 7–14 Tagen, ob neuer Austrieb normaler kommt.
- Biologisch: Raubmilben einsetzen
Gegen solche versteckt sitzenden Milben sind Raubmilben oft sinnvoller als wahlloses Spritzen. Geeignet sind je nach Verfügbarkeit z. B. Amblyseius swirskii, Amblyseius cucumeris oder ähnliche Nützlinge gegen Weichhaut-/Breitmilben. Wichtig: nicht vorher mit Öl/Pyrethrum alles tot spritzen, sonst schädigt man die Nützlinge gleich mit.
- Falls gespritzt wird: nicht Careo, nicht Fungizide
Celaflor Careo wäre gegen Milben nicht meine erste Wahl. Saprol/Duaxo sind Fungizide und hier sachlich falsch.
Promanal/Ölpräparate können gegen weiche Schädlinge/Milbenstadien wirken, aber bei Chili im Freiland besteht hohes Risiko für Blattschäden, besonders bei Sonne/Hitze. Nur abends, nicht bei Hitze, nicht auf gestresste Pflanze, erst an wenigen Blättern testen.
- Parallel Umpflanzstress entschärfen
Gleichmäßig feucht halten, nicht nass. 3–5 Tage leichte Schattierung bei starker Mittagssonne. Nicht sofort stark düngen. Kein zusätzliches Kalium/Patentkali jetzt. Kein Eisen auf Verdacht.
Kurzurteil
Ich würde das nicht als „Eisen oder Mineralien fehlen“ einordnen, sondern sehr wahrscheinlich Breitmilben/Weichhautmilben am Neuaustrieb, alternativ Calcium-Transportstörung durch Umpflanzstress.
Praktisch würde ich die Pflanze isoliert betrachten, die deformierten Spitzen entfernen, mit starker Lupe kontrollieren und entweder Raubmilben einsetzen oder sehr gezielt gegen Milben behandeln. Wenn der neue Austrieb danach wieder normal kommt, war es kein grundsätzlicher Boden- oder Sortendefekt.