Darf´s noch etwas Fleisch fressendes Gemüse sein?

DrNötigenfalls

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Salam aleikum, wennse vorbeikomm´, könnse mal reinschau´n!

Dihydrocapsaicin @C18H29NO3 schrieb in meinem Vorstellungsthread: "Kannst sehr gerne hier mal einen passenden Thread dazu erstellen wenn du willst wo alle hier ihre Carnivoren vorstellen können, würde mich mal interessieren (und damit meine ich mich dazu bringen mir wieder welche zuzulegen) :D"
Wer bittet, dem wird gegeben! ;) <= Ist auch ein ganz bekanntes Zitat! Hab nur vergessen, woher ich das hab! 🤔

Ich fange mal mit Balkonialand und mit den Nicht-Karnivoren an. Ende Februar dieses Jahres wurde in unserem Bundesland (NS) den Gartencentern erlaubt wieder aufzumachen. Ich also da hin und bleibe an einem Tisch mit Schachbrettblumen hängen. Das waren vorgetriebene, in Töpfen gepflanzte Pflanzen, die schon Knospen trugen. Vor zwei Jahren hatte ich so eine Schachbrettblume mal einer guten Bekannten geschenkt und mir damals schon vorgenommen: Mensch, die finde ich so "scharf" - im übertragenen Sinne -, dass ich die mal als Kübelpflanze auf meinem Balkon probieren müsste. Dass sie bei mir dann auch geblüht haben, war kein Kunststück. Wenn sie nächstes Jahr wiederkommen, ist´s evtl. schon ein Kunststück. Dass man auf Blüten Schach spielen kann, ist schon irgendwie verrückt. Leider habe ich bisher noch nirgends passende Spielfiguren gefunden...

Fritillaria_Letzte-4.jpg Fritillaria-Bl-1.jpg Fritillaria-Bl-2.jpg Fritillaria-Bl-3.jpg

Vor zweieinhalb Jahren habe ich, als ich bei einer Bekannten, die mich als Privatgärtner "angestellt" hat, die Beete vor dem Haus gepflegt habe, zwei Kastanien gefunden und eingesackt. Zuhause jede in einen Topf gesteckt und auf dem Balkon überwintern lassen. Joah, im nächsten Frühjahr sind sie doch glatt gekeimt und nun starten sie in ihre dritte Saison.

Rosskastanie_I-1.jpg Rosskastanie_I-2.jpg Rosskastanie_II-2.jpg Rosskastanie_II-1.jpg

Ich finde Kastanien echt schön. Leider gibt es mit der Rosskastanie seit wohl schon geraumer Zeit ein Problem, wenn nicht gar zwei Probleme! Und ich habe letztes wie auch vorletztes Jahr an meinen Schützlingen Gelbverfärbungen der Blätter vom Blattrand ausgehend feststellen müssen, die dann zu breitflächigen Nekrosen und braunen Blatträndern und Blättern führten. Im Gartencenter sagte man mir, es handele sich um die Raupen der Rosskastanienminiermotte. Okay, die kriegt dann eine kräftige Dusche mit Bi58 und dann hat es sich ausgemottet, dachte ich mir! Weit gefehlt! An meinen Jungkastanien knusperten keine Miniermottenraupen herum, sondern ein gemeiner Blattfleckenpilz. Die majestätischen Rosskastanien im Vegesacker Stadtgarten (Bremen-Vegesack!) boten in den vergangenen Jahren ebenfalls einen grausigen Anblick! Als Privatgärtner komme ich an ein Fungizid gegen diesen Blattfleckenpilz nicht heran. Das bekommen nur gewerbliche Pflanzenzüchter. Ergo bin ich aufgeschmissen! Der Pilz tritt erst ab etwa Juni/Juli in Erscheinung. Nun kann ich die Kastanien ohnehin nicht ewig auf meinem Balkon wachsen lassen. Daher sah mein Plan so aus, dass ich die beiden Kastanien in einem Wald aussetze, wenn sie höher als einen Meter sind. Aber kranke Bäumchen auswildern ist sicher keine so gute Idee. Ich fürchte, ich werde die beiden Bäumchen schmerzlicherweise kleingehäckselt im Restmüll entsorgen müssen, wenn der Pilz dieses Jahr wieder zuschlägt! 😢

Zu Balkonialand abschließend doch noch eine Karnivore:

Leuco_Helmuts-Delight-3.jpg Leuco_Helmuts-Delight-4.jpg Leuco_Helmuts-Delight-5.jpg

Sarracenia leucophylla 'Helmut´s Delight' hatte ich schon in meinem Vorstellungs-Thread vorgestellt. Die steht seit fünf Tagen auf dem Balkon. In der Sonne hat sich die Äderung der Schlauchköpfe noch mal etwas intensiver ausgefärbt. Kaum stehen die Schlauchpflanzen draußen, fallen auch schon die ersten vorwitzigen Fliegen und Wespen in die Schläuche! :happy: Die Röhren von Sarracenia leucophylla können bis zu 90 cm hoch werden. Meine sind halb so hoch. Da ist also noch etwas Luft nach oben. Nun ist meine Pflanze auch noch nicht so alt. Ich darf also hoffen...

Ich werde diesen Thread dann immer wieder mit Updates fortsetzen. Zum Beispiel habe ich seit sechs Jahren ein Minimoorbeet auf dem Balkon stehen, in dem zwischen Sphagnum papillosum zwei einheimische Sonnentauarten wachsen. Um die abzulichten, brauche ich eine bessere Kamera als mein Smartphone. Die Sonnentaupflanzen und auch das Sumpfmoos habe ich bei Thomas Carow (Spezialgärtnerei für Fleisch fressende Pflanzen im fränkischen Nüdlingen) bezogen. Eine entsprechende Kamera werde ich mir in den nächsten Tagen ausleihen. Wenn es innerhalb der nächsten Tage/Wochen genug Sonnenschein gibt, werden sich auch die Sarracenia rosea und die Venusfliegenfallen schöner ausfärben und fotogener werden.

Im letzten Jahr hatte ich außerdem diverse Kräuter auf dem Balkon. Thymian, Rosmarin, Strauchbasilikum und Oregano. Der Strauchbasilikum zeigte Symptome eines Mosaikvirusbefalls. Den habe ich schließlich im Spätsommer entsorgt. Der Thymian und der Rosmarin haben den letzten Winter nicht überstanden. Obwohl der Rosmarin praktisch auch in der vollen Sonne stand, bekam er immer wieder Mehltau! Der Oregano hat erstaunlicherweise den Winter überlebt und treibt seit einer Woche munter aus. Während der Trockenheit des letzten Sommers musste er drei Invasionen von Spinnmilben über sich ergehen lassen. Erst habe ich es mit der chemischen Keule versucht - ja ja, die Blätter des Oregano leuchteten des Nachts neongrün! ;-D Schließlich habe ich den Oregano radikal herunter geschnitten! Ach, es ist zum Kotzen!!! Ich würde dieses Jahr gerne wieder Thymian, Rosmarin und Basilikum kultivieren. Habt ihr da auch solche Probleme mit Pilzen und tierischen Parasiten? Was unternehmt ihr dagegen?

Teil 1 ist fertig. Es geht gleich weiter mit Terrarialand.
 
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DrNötigenfalls

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Gegenwärtig betreibe ich drei Terrarien in meiner Wohnung. Das kleinste ist 40 x 24 x 28 cm (L x B x H) - da wohnt derzeit nur der Zwergkrug Cephalotus follicularis drin, den ich in meinem Vorstellungs-Thread gezeigt habe. Das mittlere Terrarium misst 60 x 40 x 40 cm - da wachsen nur Orchideen drin. Das größte Becken ist 100 x 60 x 100 cm groß. Dort gedeihen zwei Phalaenopsis-Orchideen, meine letzte, verbliebene Kannenpflanze (Nepenthes), eine Miniaturorchidee (Masdevallia nidifica) sowie vier Ameisenfarne (Lecanopteris). Die meisten meiner Karnivoren wachsen unter Kunstlicht auf der Fensterbank. Ich denke, die darf ich bei Bedarf dann in den Terrarialand-Posts unterbringen. Zum Fotografieren der Sonnentau benötige ich jedoch eine Kamera mit Makroeinstellung, die ich mir erst ausleihen müsste.

Coe_fimbriata-flower2.jpg Coe_fimbriata-flower4.jpg Masdevallia_ignea-fl1.jpg Masdevallia_ignea-fl3.jpg Masdevallia_ignea-fl4.jpg Masdevallia_ignea-5.jpg Masdevallia_unknown-1-5.jpg Masdevallia_unknown-2-2.jpg

Orchideen: Links die ersten beiden Fotos zeigen eine Blüte von Coelogyne fimbriata, eine epiphytische Orchidee aus den Bergwäldern des Himalaya (Indien, Birma, China). Die Blüten sind relativ klein und erscheinen einzeln oder bis zu vier nacheinander an einer kurzen Blütenrispe, die zwischen den beiden Laubblättern aus der Pseudobulbe (Scheinzwiebel) heraus wächst. Die vier Fotos in der Mitte zeigen Blüten von Masdevallia ignea, einer Orchidee aus den Nebelwäldern der nördlichen Anden (Kolumbien). Diese Spezies wächst in Höhen zwischen 1500 und 3000 Metern und mag es daher gerne schön kühl. Ist nicht ganz einfach in der Kultur. Die beiden Fotos rechts zeigen eine Masdevallia-Hybride, die mir als Masdevallia ignea verkauft wurde! B-/ Na ja, schlecht sehen die Blüten nicht aus.

Restrepia_falkenbergii-2014-2.jpg Restrepia_falkenbergii-2014-3.jpg Restrepia_falkenbergii-2014-cu.jpg

Hier nun also der BEWEIS: Aliens sind unter uns!!! Getarnt als Orchidee! ^^ Restrepia falkenbergii heißt die außerirdische Schönheit. Bzw. sollte ich hier vermerken, dass ich die Pflanze aus privater Quelle bekommen habe mit dem Hinweis, dass es sich wahrscheinlich um Restrepia falkenbergii handeln würde... |oS Ebenfalls ein Hochlandbewohner aus Kolumbien, der allerdings leicht zu kultivieren ist. Ich kultiviere ihn wie auch Coelogyne fimbriata aufgebunden auf einem Korkeichenstück.

Miranda_pitcher-1.jpg Miranda_pitcher-2.jpg

Diese Karnivore gehört zu meinen ältesten Fleischfressern überhaupt. 1996 in einem Gartencenter erworben. Ihr kletternder Stamm war zwischendurch schon mal 1,5 Meter lang. Irgendwann musste ich ja mal das Terrarium sauber machen. Die große Pflanze habe ich nur dummerweise nicht mehr heile aus dem Terrarium bekommen. |o( Es ist Nepenthes 'Miranda', eine Komplexhybride [(Nepenthes maxima x northiana) x maxima]. Die Kannen werden bis zu 20 cm hoch, können auch noch größer werden. Im Sommer 1996 ging´s los: Da wurde ich völlig unbeabsichtigt zum Kultivateur Fleisch fressender Pflanzen, als ich zufällig durch einen Gartencenter stapfte und an einem Tisch mit Fleisch fressenden Pflanzen vorbeikam. Ich konnte nicht widerstehen! Ist es euch auch schon mal so ergangen? Besagte Kannenpflanze eingepackt, dazu noch einen Kapsonnentau (Drosera capensis) und eine Venusfliegenfalle (Dionaea muscipula). Eine Woche später wieder zum Gartencenter und zwei weitere Karnivoren mitgenommen: Sarracenia purpurea ssp. purpurea und Pinguicula esseriana, glaube ich. Es dauerte nicht lange, bis sich das Hobby "Fleisch fressende Pflanzen" förmlich zur SUCHT entwickelte... *omg*
Viele Kannenpflanzen und auch Sumpfkrüge bezog ich von Andreas Wistuba, damals noch in Mannheim ansässig. Auf einem Regionaltreffen der GFP (Gesellschaft für Fleischfressende Pflanzen e.V.) im Botanischen Garten Bonn lernte ich weitere, professionelle Züchter kennen, darunter Christian Klein. Noch einmal ein paar Jahre später schrieb ich mich in ein international frequentiertes Internet-Forum in England ein und knüpfte Kontakte zu Züchtern "in aller Welt", kann man fast sagen. Meine Karnivorensammlung wuchs und wuchs, aber es gab auch immer wieder schreckliche Rückschläge. 2010 war das erste Mal, wo ich aufgeben wollte, weil einige Arten, darunter die Kobralilie (Darlingtonia californica), einfach nichts werden wollten bei mir! Zudem funktionierte die Kultur unter gleich bleibenden Bedingungen mit einigen anderen Arten plötzlich nicht mehr! Was an Hexerei grenzte! Eine Stromnachzahlung von 400 EUR kam auch noch ins Haus geflattert! :whistling: (Könnte was mit der ganzen künstlichen Pflanzenbeleuchtung zu tun gehabt haben!) Da habe ich kurzerhand 2/3 meiner Pflanzen verkauft! Mit dem Rest habe ich erst mal weiter gemacht. Um 2015 sind mir fast alle, meine Hochlandnepenthes durch einen Pilz verreckt, weil ich gesammeltes Regenwasser zum Gießen verwendet habe! Mit den Tieflandarten gab´s auch zunehmend Probleme! Da sind mir auch welche eingegangen. Das Jahr war wirklich ein Wendepunkt! Ich war nämlich AUSGEBRANNT! Burnout eines Pflanzenfreaks!!! Ich musste mir über grundlegende Dinge ernsthafte Gedanken machen und zu der Einsicht gelangen, dass OBSESSION nicht gesund ist! Ich habe beschlossen, dass Pflanzen nicht mehr mein Leben beherrschen dürfen und ich einen emotionalen Abstand zu diesen Gewächsen herstellen muss. Aber mir scheint, das ist ein schmaler Grat! Mein Bestand ist im Begriff weiter zu schrumpfen. Erst gestern musste ich meine letzte Hochlandnepenthes - Nepenthes platychila - entsorgen! Ich zeig euch gleich noch AMEISENFARNE! Da habe ich zwei Exemplare, die sich seit Jahren mit einem Pilz an ihren Wedeln herumschlagen, den ich ums Verrecken nicht wegbekomme! Auch bei denen steht über kurz oder lang wohl der Abschied an. Ja, ein kurzer Abriss meiner "Karriere" als Karnivoren-Kultivateur! ;o) Ich blicke schon wehleidig auf das zurück, was ich mal gehabt habe! Loslassen fällt mir echt nicht leicht! Sind ja schon klasse Teile, dieses Fleisch fressende Gemüse! Aber die großen Zeiten als Karnivoren-Dompteur sind für mich vorbei!

Lecanopteris_darnaedii-rhizome-2.jpg Lecanopteris_darnaedii-rhizome-1.jpg Lecanopteris-crustacea.jpg TT-Leca_curtisii.jpg Lecanopteris_holthumii-2.jpg Lecanopteris_holthumii-1.jpg

Die letzte Fotoserie zeigt die Gattung Lecanopteris. Das sind Farne, die in Südostasien (Borneo, Sumatra, Sulawesi, Philippinen) als Epiphyten (Aufsitzerpflanzen) auf Bäumen wachsen und eine Symbiose mit Ameisen eingegangen sind. Die Rhizome der Farne sind innen hohl. Die verschiedenen Ameisenvölker, die mit diesen Farnen zusammenleben, ziehen in den hohlen Innenräumen der Rhizome ihre Nachkommenschaft auf. Die Rhizome bieten der Ameisenbrut sehr guten Schutz vor Feinden. Die Ameisen verteidigen ihrerseits die Farne vor Fressfeinden wie Schnecken und düngen zudem mit ihren Ausscheidungen den Farn.

Die zwei Bilder links zeigen ein Rhizom von Lecanopteris darnaedii. Rechts daneben Lecanopteris crustacea. Drittes Bild von rechts: L. curtisii - die milchig-blauen Rhizome sehen besonders schön aus. Die beiden Bilder rechts zeigen L. holthumii.

Ich hoffe, ihr hattet eure Freude an den Fotos und den Begleittexten. C18H29CO3 hätte wahrscheinlich lieber noch mehr Karnivoren gesehen. Da müsste ich mit einer anderen Kamera, die ich mir von einer Bekannten abholen muss, neue Fotos machen. Ich habe aber nur noch einen kläglichen Rest an Karnivoren. Werde aber auch die Terrarialand-Abteilung immer wieder mal aktualisieren, will sagen, neue Inhalte einfügen. Wenn gewünscht kann ich auch alte Bilder von Pflanzen hochladen, die ich mal gehabt habe: Nepenthes, Heliamphora und weiß der Geier was alles!

20 Bilder pro Post, gelle? Dann darf ich noch eins hier einfügen! ^^

H_ionasii.jpg
Heliamphora ionasii von den Tafelbergen Venezuelas

By for now!
 

sebastianblei

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Danke für den sauber dokumentierten Ausflug ins fantastische Land von anderen Pflanzen und den Blick über den Tellerrand. :thumbsup: Das war schon schön am Morgen zu lesen & zu stöbern.
 

DrNötigenfalls

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Nun aber Karnivoren satt und ich hoffe sehr zur Freude von @C18H29NO3! :D

Ich hab am Sonntag versucht, ein wenig meine Fleischfresser zu fotografieren, aber es war den ganzen Tag über sehr windig. Habe einige Pflanzen daher ins Wohnzimmer geholt... na ja, da war das natürliche Licht jedoch etwas mau. :shifty:

Aufgrund der Menge an Fotos, füge ich hier mal nur die Vorschaubilder ein. Vergrößerungen werden beim Anklicken gezeigt. Viel Vergnügen!

Minibog_Rotundi-1.jpg Minibog_Rotundi-2.jpg Minibog_Rotundi-4.jpg Rotundi-Makro.jpg Minibog_Anglica-1.jpg Minibog_Anglica-2.jpg Sphagum.jpg Minibog.jpg

Die erste Bilderreihe zeigt einheimische Sonnentauarten in einem Mini-Moorbeet. Als da wäre auf den ersten vier Fotos von links der Rundblättrige Sonnentau Drosera rotundifolia. Gefolgt vom Englischen Sonnentau Drosera anglica. Die erste, warme Phase in diesem noch sehr jungen Frühjahr - wann war das noch, im März, gelle? - hat die als Hibernakel im Sumpfmoos überwinternden Rotundies aufgeweckt. Die ersten Fangblätter reckten sich bereits Anfang April aus dem Moospolster. Die Angelsachsen ließen sich dagegen noch Zeit. Normalerweise erwachen die Sonnentau der nördlichen Hemisphäre erst nach Eisheiligen aus ihrem Winterschlaf. Von Drosera anglica ist bislang noch nicht viel zu sehen. Das Moorbeet habe ich im Frühjahr 2015 angelegt. Die innere Schale hat im Boden Löcher, ist vom Durchmesser 40 cm und 13 cm hoch. Das Substrat besteht zu 100% aus - chilipflanzenuntauglichem, wie ich just erst schmerzlich erfahren musste - Weißtorf H2. Als Sumpfmoos habe ich die Spezies Sphagnum papillosum verwendet, das sehr dichte, buschige Köpfe bildet. Eins der schönsten Torf- oder Sumpfmoose. Die äußere Schale (50 cm ) besitzt im Boden keine Löcher und dient als Wasserreservoir. Ich habe schon damit gerechnet, dass Stechmücken da evtl. ihre Eier drin ablegen. ABER bisher habe ich dort noch nie irgendwelches Getier gesehen. Einmal im Monat wird das Wasser ausgetauscht anyway! *Grinsemann*

S_burkei-pitcher2.jpg S_burkei-pitcher3.jpg Sarracenia_burkei.jpg D_binata-0.jpg D_scorpioides-L-1.jpg D_scorpioides-L-2.jpg D_campo-1.jpg

Zweite Bilderreihe: Links sieht man die Schlauchpflanze Sarracenia rosea, die früher einmal den wunderschönen Namen Sarracenia pupurea subspecies venosa varietät burkei besitzlichen tat. Welcher Hirni hat sich nur dazu erdreistet, diese Sarracenie in den Art-Status emporzuheben und ihr so einen verflucht einfältigen Namen wie Sarracenia rosea zu verpasslichen?! *argh!* Diese Schlauchpflanze aus den Südoststaaten der USA ist nicht so wirklich winterhart, westerwegen sie bei Frost ins unbeheizte Schlafzimmer unter die 250 Watt HQI-Leuchte muss. Bei länger andauerndem Sonnenschein haben die Schläuche eine intensive rote Äderung bzw. sind mitunter komplett rötlich angehaucht. In der Mitte sieht man die wuselige Drosera binata aus Südostaustralien, die bedingt winterhart ist und bei sehr kühler Witterung ebenfalls ins Hibernakel verfällt. Leider hat der steife Wind die Fangblätter total zerzaust, wodurch sich die äußeren Tentakel ganz auf die Blattrückseite gebogen und fast keinen Fangschleim mehr haben. *grumpf!* Die Fangschleim ausbildenden Karnivoren sind bei mir die erfolgreichsten Insektenjäger. Zweites und drittes Bild von rechts zeigt die sehr schöne und filigrane Drosera scorpioides 'large form' - eine Zwergsonnenatuart aus Australien. Rechts außen: Drosera camporupestris aus Brasilien, welche bei mir unter Kunstlicht auf der Fensterbank wächst.

Jetzt kommen Hochkantbilder, die nicht so geschmeidig in die obere Bildreihe passten! ;-)

D_binata-2.jpg D_binata-1.jpg D_scorpioides-L-Makro.jpg D_capensis-prey.jpg

Von rinks nach lechts: Drosera binata, dito, D. scorpioides 'large form' und der häufig in Gartencentern angebotene Kap-Sonnentau Drosera capensis - das reinste Unkraut, sage ich euch!

20 Fotos max pro Post! Heißt, ich muss noch einen Post anhängen!

Edited: Bei D. binata West- mit Ostaustralien velwechsert! *blush*
 
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DrNötigenfalls

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Ja, die Sonnentau finde ich schon schnuggelisch mit ihren zahlreichen wie Diamanten funkelnden Fangschleimtropfen.

D_roraime_GS-1.jpg D_roraime_GS-2.jpg Dionaea_B52-trap.jpg Dionaea_B52_red-total2.jpg Dionaea_green-total.jpg Dionaea_green-trap.jpg Dionaea_B52xgreen-trap.jpg Dionaea_B52xgreen-trap2.jpg Cefo.jpg

Links erstes und zweites Bild: Drosera roraimae aus der Gran Sabana im brasilianischen Bundesstaat Roraima (daher der Name). Drosera roraimae bildet mit dem Alter kleine Stämmchen. Sehr schick! Die Bilder Nr. 3 bis 8 brauche ich wahrscheinlich nicht beschreiben, oder? ;) Das ist die VORZEIGE-FLEISCHFRESSENDE-PFLANZE schlechthin: Dionaea muscipula aus North Carolina (Wilmington). Na gut, es sind drei verschiedene Venusfliegenfallen: Links mein Lieblings-Klon "B 52", der mit die größten Fallen ausbildet - abhängig von den klimatischen Konditionen Fallen mit bis zu 5 cm Längsdurchmesser (den Stiel - Petiole genannt - nicht mitgerechnet!). Die Fallen könnten ruhig auch noch etwas intensiver rot ausgefärbt sein! :-/ Das Gruppenbild zeigt an die 10 Venusfliegenfallen in einem 19 cm ⊘ Topf - zwischen den großwüchsigen "B 52" mümmeln sich noch ein paar "Red Forms" mit relativ kleinen Fallen. Dann gibt es auch noch VFF mit rein grünen Fallen. Die "grüne" Form bildet meist auch sehr große Fallen aus. Ich hatte vor ungefähr acht Jahren mal "B 52" mit der "Green Form" kreuzbestäubt. Das Ergebnis zeigt Bild Nr. 5 und 6 v. l. Ähem, Bild Nr. 7 und 8 zeigt ebenfalls eine Kreuzung von "B 52" mit der "Green Form". Ja... ja, wie geht das? Nun, im ersten Fall habe ich Pollen der "B 52" auf die Stigmen der "Green Form" aufgetragen, im zweiten Fall umgekehrt! ;) Rechts außen ist mein ganz besonderer Karnivoren-Schatz - der Zwergkrug. Cephalotus follicularis aus Südwestaustralien. Die Krüge werden 2 bis 4 cm hoch. Bei unzureichender Beleuchtung mutieren die Krüge auch zu 5 cm Höhe, bleiben dafür aber komplett grün. Der "Ceph", wie ich ihn liebevoll zu nennen pflege, bewohnt ein Terrarium unter Leuchtstoffröhren auf der Fensterbank.

And now for something completely different!

ut-humboldtii-blasen2.jpg

Höh? Das Foto zeigt das unterirdische "Wurzelsystem" einer Utricularia humboldtii, die ich leider nicht mehr in Kultur habe. Warum zeige ich das? Nun, ich habe noch den Alpenwasserschlauch Utricularia alpina in meiner Karnivorensammlung. Der hat ebenfalls unterirdisch so ein Fangblasensystem in der "Erde". Die Fangblasen sind nur 1 bis 4 mm im Durchmesser. Utricularien (Wasserschläuche) besiedeln in der Regel sehr feuchte oder halt periodisch feuchte Gebiete. Sie haben sich auf den Fang von winzigen Wasser- oder Bodenorganismen spezialisiert. Das Fangblasensystem bekommt man in der Regel nicht zu sehen (außer bei aquatischen Arten), dafür aber die sehr schönen und bei einigen, wenigen Arten auch imposanten Blüten:

Humboldtii_flower_2.jpg Humboldtii_flower_3be.jpg Humboldtii_leaves.jpg
U. humboldtii

Meine Alpina sendet derzeit gerade um die 20 Blütentriebe aus. Wird noch etwa einen Monat dauern, bis die Blüten fertig sind, aber dann poste ich Fotos! :O)




And finally for something absolutely completely different:

Cerop_ballyana-1.jpg Cerop_ballyana-2.jpg Cerop_haygarthii-1.jpg Cerop_haygarthii-2.jpg

Ick habbet euch ja schon mal jesacht! Auf unserem Planten leben ALIENS! Halt als Pflanzen getarnt! *ggg*

Weil sie auch gerade so schön blühen, will ick se euch nicht vorenthalten: Die Leuchterblumen, fachchinesisch Ceropegien genannt. Die zwei Bilder links: Ceropegia ballyana; rechts: Ceropegia haygarthii. Mini-Leuchten sind das. Gerade mal 3 bis 4 cm hoch. Ick suche schon seit Jahren nach dem Schalter zum Anknipsen! Hab abber noch nie einen jefunden! :meh:

(Shit, ich glaube, man merkt, dass ich ein Starkbier genossen habe...) 🍺

I hope, you liked it! :inlove:
 

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And finally for something absolutely completely different:
Ein weiterer Flying Circus-Veteran, gefällt mir!


Danke sehr, vielen Dank! :happy:

Äh...

:jawdrop: Dann soll ich also keine Bilder mehr posten...im Sommer zum Beispiel? Ach, wie schade! ^^ *ggg*
Dochdoch, ich bitte darum :D Meine Terrarien habe ich ja noch, vielleicht fliegt irgendwann doch noch die ein oder andere Pflanze ins Einkaufskörbchen. Jetzt wo ich weiß, dass unser Kalk mit geringem Wasseranteil für die Pflanzen eher so semigut geeignet ist :whistling:
 

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Ein weiterer Flying Circus-Veteran, gefällt mir!
Mein Luftkissenfahrzeug ist voller Aale!!! In den 80er Jahren hat der NDR alle Folgen (meine ich) vom fliegenden Zirkus ausgestrahlt. Habe keine verpasst. Dafür bin ich jetzt etwas gehirngeschädigt! Ich bitte das zu entschuldigen! :laugh:

Dochdoch, ich bitte darum :D Meine Terrarien habe ich ja noch, vielleicht fliegt irgendwann doch noch die ein oder andere Pflanze ins Einkaufskörbchen. Jetzt wo ich weiß, dass unser Kalk mit geringem Wasseranteil für die Pflanzen eher so semigut geeignet ist :whistling:
Selbst Wasser mit geringem Kalkanteil verschmähen die meisten Karnivoren! Und dann erst all die SALZE, die im Leitungs- oder auch Brunnenwasser sind! Unter uns: 🤫 Ich bin sogar mit gesammeltem Regenwasser auf die Schnauze geflogen! Kann nur noch Osmosewasser (Umkehrosmoseanlage) oder entmineralisiertes Wasser empfehlen. Der ganze Dreck, der mit dem Regenwasser in die Tonne gespült wird... :rolleyes: Wenn der Kalkgehalt nicht zu exorbitant hoch ist, würden es mexikanische Fettkräuter (Pinguicula) eine ganze Weile mit Leitungswasser aushalten. Da Pinguicula meistens wie Salat aussieht, ist sie nicht ganz so beliebt wie Drosera, Dionaea oder Nepenthes. Aber: Ein Kanister "destilliertes Wasser" kostet ja heute auch nicht mehr die Welt. ;)

Gut gut, ich werde demnächst, wenn es wieder etwas Neues zu berichten und zeigen gibt, ein Update posten.
 

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Mein Luftkissenfahrzeug ist voller Aale!!! In den 80er Jahren hat der NDR alle Folgen (meine ich) vom fliegenden Zirkus ausgestrahlt. Habe keine verpasst. Dafür bin ich jetzt etwas gehirngeschädigt! Ich bitte das zu entschuldigen! :laugh:
Ich besitze die DVD-Box aber erwäge die neue DVD-Box mit Outtakes und extra Szenen zu kaufen, bin also auch ein Patient - aber zum Glück gibt es für uns ja den Brain Specialist!


Selbst Wasser mit geringem Kalkanteil verschmähen die meisten Karnivoren! Und dann erst all die SALZE, die im Leitungs- oder auch Brunnenwasser sind! Unter uns: 🤫 Ich bin sogar mit gesammeltem Regenwasser auf die Schnauze geflogen! Kann nur noch Osmosewasser (Umkehrosmoseanlage) oder entmineralisiertes Wasser empfehlen. Der ganze Dreck, der mit dem Regenwasser in die Tonne gespült wird... :rolleyes: Wenn der Kalkgehalt nicht zu exorbitant hoch ist, würden es mexikanische Fettkräuter (Pinguicula) eine ganze Weile mit Leitungswasser aushalten. Da Pinguicula meistens wie Salat aussieht, ist sie nicht ganz so beliebt wie Drosera, Dionaea oder Nepenthes. Aber: Ein Kanister "destilliertes Wasser" kostet ja heute auch nicht mehr die Welt. ;)

Gut gut, ich werde demnächst, wenn es wieder etwas Neues zu berichten und zeigen gibt, ein Update posten.
Dann würde ich mir wohl destilliertes Wasser dafür besorgen :thumbsup: Bin auf jeden Fall gespannt wie die bei dir weiter wachsen :D
 

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Es blüht so weiß seit ich Dr. Nötigenfalls heiß! Ääähhh.... okay, Goethe wär jetzt wahrscheinlich nicht stolz auf mich! :(

Die erste Venusfliegenfalle blüht dieses Jahr. :happy: Ist nicht spektakulär, die Blüte, aber die riecht leicht nach Butter und Vanille.

Dionaea_fl-1.jpg
Dionaea_fl-2.jpg


Dionaea_B52-classic.jpg

Wenn die Licht- und Temperaturbedingungen ideal sind, sollten beim Klon 'B 52' die Falleninnenseiten tiefrot gefärbt sein. Dieses Foto ist von 2010. Die Pflanze stand damals unter einem nach Westen gerichteten Dachfenster.


D_binata-fl-2.jpg

D_binata-fl-1.jpg


D_binata-fl-3.jpg

Die australische (Südosten) Drosera binata bildet lange Blütenrispen aus, an denen sich mehr als 20 nicht gerade kleine Blüten nacheinander öffnen. Die einzelne Blüte ist jedoch recht kurzlebig: Sie öffnet sich am späten Vormittag und schließt sich gegen Abend wieder, um noch am selben Tag zu verwelken. Nur bei direktem Sonnenschein öffnet sich die Blüte vollständig. So ganz haben die beiden das heute nicht gepackt, weil immer wieder Wolken die Sonne verdeckt haben. möh!

D_binata-4.jpg

Und noch mal eins der schönen, gegabelten Fangblätter von Drosera binata. Manche Fangblätter sind mehrfach gegabelt. Dieser Sonnentau kann durchaus auch größere Stubenfliegen festhalten. Hrhrhr!

Noch ein paar News von den üblichen Verdächtigen, welche ich in früheren Posts bereits gezeigt habe. Nachdem die Nachmittagsonne durch die Balkontür in mein Wohnzimmer geschienen hat, habe ich versucht, diese filigranen Kunstwerke der Natur noch etwas besser in Szene zu setzen:

Scorpi_large-supermakro-1.jpg

Scorpi_large-supermakro-2.jpg

Ein Fangblatt der treffend bezeichneten Drosera scorpioides ('large form').

Naaaa, @C18H29NO3, bei Drosera scorpioides kannst du nicht widerstehen, oder? ^^ Die WILLLST du HABEN! (Ich könnte dir im Herbst Brutschuppen zukommen lassen - eine vegetative Vermehrungsform! :whistling: )

D_campo-supermakro.jpg
D_campo-4.jpg

D_campo-5.jpg

Drosera camporupestris aus Brasilien: Immer wieder eine Herausforderung für den Makrofotografen! Demnächst wird sie wieder blühen. Die Blütentriebe sind so wunderbar flaumig-weiß behaart. :inlove:

Bei meinem Zwergkrug - einem weiteren Australier (Südwesten) - macht sich auch ein Blütentrieb auf. Ärgerlicherweise ließ sich der Fokus der Kompakt-Digitalkamera nicht auf die kompakte Traube an der Spitze des Blütenstiels scharf stellen. (Der zurzeit nur 7 mm im Durchmesser messende Gnubbel füllt nicht genug Fläche des Bildausschnitts aus!) :rolleyes: Früher habe ich mit einer analogen Kamera und Makrolinse fotografiert. Für die selbe Ausstattung als Digitalkamera fehlt mir im Moment das nötige Kleingeld. Bei den Blütenbildern greife ich daher mal auf mein Archiv zurück. *blushing*

Cefo_pitchers-closeup.jpg

"Feed me! I'm hungry!"

Cefo_pitchers-closeup2.jpg

Cephalotus follicularis ragt kaum mehr als 4 cm über den Erdboden hervor. Die Krüge werden nur 3,5 bis 4,5 cm hoch. Es gibt auch Ausleseformen mit größeren Krügen in Kultur, die meist die Bezeichnung Cephalotus follicularis 'Giant' haben ('Hummer´s Giant', 'German Giant' ...). Deren Krüge erreichen eine Größe von 6 bis 7 cm. Ich hatte mal den German Giant von Harald Weiner in Kultur. Leider ist mir die Pflanze eingegangen. 6 oder 7 cm große Krüge habe ich an meiner Pflanze nie zu sehen bekommen. Ein ganz schön zickiges Ding war das!!! *roll eyes*

Cefo_flowers-classic-1.jpg

Der Blütenbtrieb vom Zwergkrug schießt dagegen ganze 60 cm in die Höhe. Auch hier gilt: Die Pflanze will potenzielle Bestäuber von den tödlichen Fallen fernhalten! Pflanzen sind halt nicht blöd, gelle?! ;) An seinem Ende erscheinen 10 bis 100 (?) winzige, sternförmige Blütchen.

Cefo_flowers-classic-2.jpg


Die Show ist schon wieder vorbei für heute! But the show must go on! Nächste Woche könnt´s evtl. mal wieder ein Update vom Moorbeet geben - also vom Rundblättrigen und Englischen Sonnentau. In ca. zwei Wochen sollten die ersten Blüten von Utricularia alpina aufgehen. Die werden 5 cm im Durchmesser!

Man sieht sich! 👋



Editiert: Ups, da habe ich doch glatt vergessen, das letzte Bild noch in den Post einzufügen! *blushing*
 
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C18H29NO3

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Naaaa, @C18H29NO3, bei Drosera scorpioides kannst du nicht widerstehen, oder? ^^ Die WILLLST du HABEN! (Ich könnte dir im Herbst Brutschuppen zukommen lassen - eine vegetative Vermehrungsform! :whistling: )
Tatsächlich werde ich etwas schwach und zwei leere Terrarien habe ich ja auch noch da.... :D Wobei du die ja alle einfach so im Töpfchen kultivierst, wenn ich es richtig sehe? Ich überlegs mir und les mir nochmal etwas zu den Pflänzchen durch! Auf jeden Fall sehr verlockend zum Ende der Chilisaison mal umzuschwenken...:angelic:
Hast du irgendwelche Fachliteraturempfehlungen?
 

DrNötigenfalls

Dauerscharfesser
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Tatsächlich werde ich etwas schwach und zwei leere Terrarien habe ich ja auch noch da.... :D Wobei du die ja alle einfach so im Töpfchen kultivierst, wenn ich es richtig sehe? Ich überlegs mir und les mir nochmal etwas zu den Pflänzchen durch! Auf jeden Fall sehr verlockend zum Ende der Chilisaison mal umzuschwenken...:angelic:
Hast du irgendwelche Fachliteraturempfehlungen?
:D

Der Skorpions-Sonnentau ist relativ einfach zu kultivieren. Am Anfang ist hohe Luftfeuchtigkeit von Vorteil, wenn man die Pflanzen aus Brutschuppen zieht. Ich hab die Töpfe mit den ausgesäten Brutschuppen oftmals auch im Terrarium. Wenn die Pflanzen erst mal ihre ersten fünf Fangblätter haben (dann sind sie auch schon gut im Substrat eingewurzelt) und etabliert sind, klappt die Kultur auch ohne Weiteres bei normaler Zimmerluftfeuchtigkeit. Bei mir stehen sie ganzjährig unter Leuchtstoffröhren im unbeheizten Schlafzimmer. Man kann die Pflanzen auch draußen unter sehr hellen bis sonnigen Bedingungen halten. Nur sind sie nicht sonderlich frosthart. Mir ist es schon passiert, dass Pflanzen auf dem Balkon bei roundabout minus 4°C erfroren sind. (Das waren Alt-Pflanzen, für die ich in der Wohnung keinen Platz mehr hatte! :angelic:) Aber ich würde Temperaturen unter 0°C nicht riskieren wollen.
Ja, die Grundvoraussetzungen sind Licht - geeignetes Substrat - geeignetes Gießwasser! Volle Sonne bzw. generell hohe Lichtintensität, nährstoffarmes, torfiges, leicht saures Substrat und nährstoffarmes, kalkfreies Wasser. :happy: Am besten geeignet ist eine Substratmischung aus grobem Weißtorf H2 (schwach zersetzt) und grobem Quarzsand (kalkfrei, 1 - 3 mm Körnung, zumindest nicht feiner als 1 mm Körnung!) im Verhältnis 1:1 oder 2:1. Im Handel erhältliche Fertigmischungen für Karnivoren (Karnivoren-Spezialerde) tut´s natürlich auch. Ich verwende zum Gießen so genanntes destilliertes Wasser mit 10% Leitungswasser-Zusatz. Als Container sind hohe Gefäße empfehlenswert, da Zwergsonnentau recht lange Wurzeln ausbilden. Ich verwende Vierkant-Töpfe mit 12 cm Kantenlänge und 10,5 cm Höhe. Der Naturstandort in Australien trocknet bei den allermeisten Zwergdrosera-Arten im (austral.) Sommer ziemlich aus. Tiefere Erdschichten (häufig mit Ton durchsetzt, meine ich gelesen zu haben) speichern eine Restfeuchtigkeit. "Tiefere" Erdschichten meint jetzt aber nicht einen Meter oder so... ^^ Die wenigsten Zwergsonnentau verlangen, dass man die Sommertrockenheit in Kultur so konsequent nachahmt. Aber zwischen Juni und Ende August sollte man das Substrat schon trockener halten. Die Pygmies können ja ansonsten fast das ganze Jahr über dauerhaft recht nass gehalten werden, aber in der angesprochenen Zeit würde ich das Substrat nur noch leichtfeucht halten. Joa, ansonsten ist zu beachten, dass die Zwergdroserae im Verlauf eines Jahres die bei uns üblichen vier Jahreszeiten durchmachen mit entsprechenden Tageslängen und Temperaturen. Heißt: Im Winter 9 oder 10 Stunden Licht am Tag bei möglichst kühlen Temperaturen. Das ist für die Pflanzen der Indikator, um die begehrten Brutschuppen für die Fortpflanzung anzusetzen. DENN: Ein Zwergsonnentauleben ist recht kurz! In der Natur in der Regel nur eine Saison, vielleicht auch zwei. Bei wenigen Arten mehr! Die "Scorpi" schafft glücklicherweise 3, 4 oder 5 Jahre, bis sie die Löffel abgibt. In frisches Substrat verpflanzen ist so eine Sache! Die meisten "Zwerge" überleben das nicht, weil ihre sehr langen, aber auch sehr dünnen Wurzeln dabei oft abknicken. D. scorpioides bildet jedoch ab einer gewissen Stammhöhe am oberen Ende des Stammes Stelzwurzeln aus (hoffe, dass ich das an meinen Pflanzen noch zeigen kann). Die hängen anfangs in der Luft, bevor sie ins Substrat wachsen. Mit Hilfe dieser Stelzwurzeln kann man eine D. scorpioides relativ problemlos verpflanzen. Bevor es zu speziell wird, stoppe ich mal an dieser Stelle! :D

Hoffe, die kleine Einleitung in die Welt der Zwergsonnentau hat jetzt nicht etwa eine abschreckende Wirkung... ;) Ein paar Besonderheiten muss man halt beachten, sonst wird es schwierig mit der erfolgreichen Kultur! ;-)

Literatur: Ähm, ich kenne keine deutschsprachige Literatur, die detailliert in die Kultivierung bestimmter Karnivoren eingeht. Die Bücher von Thomas Carow geben mehr so allgemeine Hinweise für die Kultur. Am besten hat mir immer noch "The Savage Garden" von Peter D'Amato gefallen. Hm, selbst die überarbeitete Fassung aus dem Jahr 2013 scheint nur noch schwer erhältlich zu sein. Wie man aus Brutschuppen Zwergsonnentau zieht, ist auf dieser Seite der ICPS (International Carnivorous Plants Society) am Beispiel D. scorpioides sehr gut beschrieben. Und schließlich eine Anleitung selbiger zur Kultur der Pygmies: https://www.carnivorousplants.org/grow/guides/PygmyDrosera

Joa, dann kann eigentlich nichts mehr schief gehen... :cool:
 
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