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Hornspäne ethisch vertretbar?

Dieses Thema im Forum "Dünger & Pflanzenschutz" wurde erstellt von Marlene, 13. November 2017 um 16:02 Uhr.

  1. Marlene

    Marlene Habanerolecker

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    Hallo zusammen,

    dieser Thread ist entstanden, weil ich über die Suchfunktion keinen Thread zu dem Thema gefunden habe. Ich hoffe, wir können hier ein paar wissenswerte Dinge auf einem Fleck zusammentragen. Falls ich etwas übersehen habe, weist mich bitte gern darauf hin.

    Ich wurde in diesem Forum das erste mal mit dem Thema Hornspänen konfrontiert. Ich möchte nicht, dass dieses Thema in irgendeiner Form Streit auslöst, daher würde ich euch bitten die Infos so neutral wie möglich zusammenzutragen, ohne zu stark eine persönliche Meinung zu äußern oder eine andere Meinung zu kritisieren. So kann jeder selbst entscheiden.

    Und los:

    Als tierlieber Mensch habe ich mich, als @streuner mir das erste Mal von Hornspänen erzählt hat, mit Händen und Füßen dagegen gewehrt, sie einzusetzen. Jetzt frage ich mich, ob das so richtig war. Aber so ist das nun Mal- Gut Ding braucht Weile.

    Hier die Infos, die ich bisher habe:

    -Hornspäne werden meist aus Südamerika importiert, wo Rinder insgesamt artgerechter gehalten werden- sprich wirklich auf Weiden grasen dürfen. Das ist wohl deshalb so, weil in Europa durch die Haltung auf weniger Fläche zu Verletzungen führen kann, deshalb wird das Horn entfernt Ich will keinen Ärger mit den Moderatoren daher verlinke ich meine Quelle hier:p

    -Umweltfaktor: für den Transportweg der Hornspäne muss der noch draufgerechnet werden (Emissionen und so)

    -Es werden oft nicht vegetarische Stoffe zum Düngen eingesetzt, wie z. B. Blut. Auf dem Dünger steht meistens dann ja auch nur "tierische Nebenerzeugnisse".

    -Hornspäne sind zum zertifizierten Bioanbau zugelassen. Anders als so manch anderes Düngemittel.

    -Es ist ein Schlachtnebenerzeugnis - die Tiere werden nicht extra nur für Hufe und Hörner geschlachtet (Anders z. B. bei Leder). Somit ist es eine Art Resteverwertung, was ich als tierlieber Mensch durchaus befürworte und auch aus wirtschaftlicher Sicht verstehen kann

    Bitte ergänzt, was ihr zu dem Thema wisst.
     
  2. Harald13

    Harald13 Carnivore

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    Du hast ja das meiste schon geschrieben.
    Hornspäne sind ein starker Stickstoffdünger, der Rest an Inhaltsstoffen (P, K, S) ist vernachlässigbar, ebenso der organische Anteil. Wenn der Boden Stickstoff braucht, sind Hornspäne dafür gut geeignet. Auch bei Verwendung von Rindenmulch hilfreich (da dabei eine Menge Stickstoff verbraucht wird).

    Es muss jeder selbst entscheiden, wie er düngen will. Jeder Dünger hat Nachteile, ob nun Tierhaltung, Abbau von Rohstoffen, ... irgendwas ist immer.
     
  3. sebastianblei

    sebastianblei ↪ Rocci

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    Dem kann ich beipflichten. Zugegeben, verwende ich keine Dünger mehr, wo ich tierische Bestandteile mit meinem gesunden Menschenverstand erkennen kann — wenn ich sie nicht schon mal irgendwann, irgendwie erworben habe. (Bspw. verwende ich Schafwolle von Cool-Packs die ich noch liegen habe, eben, weil es keinen Sinn machen würde, die Wolle wegzuwerfen und dafür bspw. Nährsalze einzusetzen)
    Genau so vorwurfsvoll ist es, dass ich letztes Jahr zentnerweise Erde mit Torf-Anteilen gekauft habe.
    Für kommende Saison habe ich überlegt, ob ich Tiermist von einem benachbarten Ferien-Hof hole, der ein paar Esel & mehr für Ferienkinder stehen hat. Tja. So ist das. Machen, oder lassen.
    Letztendlich rührt sich — bei mir — die Frage: Ist der Aufwand verhältnismäßig, oder nicht? Will ich hier saison-weise dutzende Pflanzen etablieren, obwohl sie einer anderen Klimazone entsprechen, muss ich dafür Kraft & Kraftstoffe einsetzen. Will ich gar eine Ernte erzielen, der ich sowie so nicht Herr werden kann, sollte ich mich im Grundsatz vielleicht erst einmal selbst hinterfragen.

    Egal wie, Du das Rad drehst und wendest, so lange Du in Deinem Garten keinen geschlossenen Kreislauf etabliert hast und Du immer wieder Kraftstoffe von außen zuführst, wirst Du mit Deinen ethischen & moralischen Grundsatzfragen auf Probleme stoßen.
     
  4. Alpha

    Alpha Chilitarier

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    Inhaltlich wurde das wichtigste wohl schon gesagt. Da es aber ein so schönes Diskussionsthema ist möchte ich trotzdem was anmerken :p

    Ob es für dich ethisch vertretbar ist hängt stark davon ab wem gegenüber du dich (ethisch) korrekt verhalten möchtest. Kommen deine Bedenken von einem ausgesprochen starken ökologischen Bewusstsein oder von einer ausgeprägten Tierfreundlichkeit? Hast ja in deinem Beitrag beide Themen angesprochen. Möchtest du den durch dein Konsumverhalten bedingten Schaden am Ökosystem minimieren oder bist du einfach gegen Massentierhaltung?
    Es ist letztendlich alles viel komplizierter als es auf den ersten Blick erscheint. Insofern kann man diese Frage nicht beantworten wenn man nicht weiß welches persönliche Ziel verfolgt wird :)
     
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  5. Ogtutchili

    Ogtutchili Dauerscharfesser

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    Da Hornspäne ein echtes Nebenprodukt sind, habe ich für mich keine Bedenken. @Marlene , du schreibst, dass Leder kein Nebenprodukt ist. Das trifft auf exotische und besondere Qualitäten (Kroko, Schlange, Nerz etc.) zu, da wird viel mit (oder auch gegen) Artenschutzgesetze gemacht. Rind-, Kalb- und Schweinsleder sind Abfallprodukte, Überbleibsel der Nahrungsmittel Industrie.
     
    Zuletzt bearbeitet: 13. November 2017 um 20:23 Uhr
  6. Günter

    Günter Relleno Liebhaber Globaler Moderator

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    Ich muß mal ein ganz großes Lob aussprechen, wie nett und sachlich hier über das Thema diskutiert wird. Ich habe
    hier echt mit mehr Streitigkeiten gerechnet.
    Das Thema ist interessant @Marlene und ich muß zugeben, ich habe mir da noch nie Gedanken drüber gemacht.
    Gut das Du es mal angesprochen hast. :thumbsup:
     
  7. Schwarzer Prinz

    Schwarzer Prinz Chilitarier

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    Hallo zusammen,
    bei Hornspänen hatte ich noch keine Bedenken. Was mich immer ärgert ist, wenn den Kühen die Hörner abgeschnitten werden, damit sie sich in der Massentierhaltung nicht gegenseitig verletzen. Für die Kühe soll das so schlimm sein, als ob man uns die Fingernägel entfernt.
    Viele Grüße
    S P
     
  8. Marlene

    Marlene Habanerolecker

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    Es ist von beidem was. Im Optimalfall möchte ich damit weder Umwelt noch Tier schaden. Ich bin grundsätzlich und kategorisch gegen Massentierhaltung. Ich mache mir über beides Gedanken aber ich denke auch so einfach ist es gerade beim Ökosystem nicht- auch ein Besuch im Asiamarkt hinterlässt einen ökologischen Fußabdruck. Ich versuche nicht ignorant zu sein und schaue schon was gerade Saison hat. Ich versuche da einfach ein gutes Mittelmaß zu finden.
     
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  9. Marlene

    Marlene Habanerolecker

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    Hey, so weit ich weiß ist es bei Leder so, dass anders gefüttert wird, um eine glattere Haut zu erreichen. Das Fleisch von solchen Tieren ist da dann Nebensache und angeblich nicht zum kommerziellen Verkauf geeignet. Man muss extra nach Leder suchen, das ein "Abfallprodukt" des Schlachtens ist, es ist (leiderleider, ich wünschte es wäre anders) nicht selbstverständlich.. Das ist natürlich nur ein Fitzelchen das ich darüber jetzt sage denn das Thema gehört dann wohl in einen anderen Thread. Ich kann da nur Seiten wie Peta empfehlen. Ich für mich kann da aber nicht mehr reinschauen, dafür bin ich zu zart besaitet musste ich feststellen. Ich bin danach wochenlang angeschlagen weil so viel Brutalität nicht in meinen Kopf geht.
     
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  10. Ogtutchili

    Ogtutchili Dauerscharfesser

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    Ich arbeite in der Branche, unsere meisten Produkte kommen aus Europa. Ganz herkömmliche Schlachthöfe, dann Gerbereien, dann verarbeitende Industrie. Unterschiede in der Lederqualität ergeben sich natürlich durch Haltung, Fütterung. Das sind aber auch die guten Sorten zum Essen. Du kannst dir nicht vorstellen, was wir für Probleme während der BSE - Krise hatten. Abertausende Rinder wurden komplett verbrannt, obwohl die Krankheit keinen Einfluss auf die Häute hatte. Weltweit kaum oder nur wenig Rohmaterial.
     
  11. Marlene

    Marlene Habanerolecker

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    Wow, perfekt, Infos aus erster Hand! :) Das klingt ja schrecklich.. und was habt ihr dann gemacht, die Produktion musste doch weitergehen? Ist es nicht so, dass für den Bedarf der Lederindustrie gar nicht genug Fleisch gegessen wird?
     
  12. Ogtutchili

    Ogtutchili Dauerscharfesser

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    Kommt auf das Produkt an. Wir machen Gürtel. Da gibt es weltweit ein paar sehr große Rohmateriallager. Die regeln den Markt durch Verknappung und Öffnung. Mit enorm teuren Abrufen aus diesen Lägern haben unsere Zulieferer produzieren können. Die Preise sind selbstverständlich an die verarbeitende Industrie weitergegeben worden. Wenn ich mich recht erinnere, waren das bis zum Ende der Krise 50 oder 60% Mehrkosten.
     
  13. Marlene

    Marlene Habanerolecker

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    Also dann mal Klartext vom Profi bitte: Welche besonderen Qualitäten sollte ich vermeiden, wenn ich nur Leder aus Schlachtabfällen möchte?
     
  14. Ogtutchili

    Ogtutchili Dauerscharfesser

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    Für mich persönlich gibt es keine Kleidung, Accessoires etc. aus Reptilien, auch nicht von Zuchttieren. Rindleder, Schweinsleder habe ich keine Bedenken. Deutsches Schweinsleder ist sowie so höchst selten, der Deutsche ißt oft Schweinebraten mit Schwarte, der Asiate überwiegend nicht. Also gibt es hier zum Großteil Schweinsleder aus Asien. Känguru, Strauß etc. sind auch essbare Tiere, da weiß ich aber nicht, ob wegen dem Leder oder dem Fleisch geschlachtet wird. Von Ledersorten aus dem Meer (z.B. Rochen) habe ich auch keine wirkliche Ahnung, glaube aber nicht an Schlachtung wegen Fleischgewinnung.
     
    Zuletzt bearbeitet: 13. November 2017 um 22:02 Uhr
  15. Ogtutchili

    Ogtutchili Dauerscharfesser

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    Gerade noch einmal unseren Einkaufsleiter gefragt: Pferde- und Ziegenleder sind neben Schweins-, Rinds- und Kalbsleder auch Neben- oder besser Abfallprodukte.
     
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