Womit Holzhäcksel düngen?


Anfänger2013

Jolokiajunkie
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Ich habe eine große Menge Pappel- und Lindeholzhächsel in den Boden eingearbeitet.

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Einen Spaten tief besteht jetzt ca. 20 Prozent der Erde aus recht feinem Holzchäcksel. ca. 10 Prozent Gewichtsanteil.

Meine Motivation:
  • Extreme Lehmerde. Die recht feinen Holzhächsel sollen verhindern, dass nach dem Umgraben die Lehmklumpen wieder eine dichte Masse bilden. Die Sauerstoffversorgung der Erde soll darüber hinaus verbessert werden.
  • Chili Testfeld 2018 von @Hombre https://chiliforum.hot-pain.de/threads/chili-testfeld-2018-pflanzen-sind-in-der-erde-11-07-2018.34824/#post-823567
    Genau wie die Kohle bei @Hombre sollen die Holzstücke als Wasserspeicher, als Nährstoffspeicher/-lieferant und als Heimat für Mikroorganismen dienen. Aufgrund der Jahreszeit habe ich auf ein betankten der Hächsel mit einer Düngerlösung verzichtet. Die Nährstofffreisetzung soll durch die Verrottung geschehen. Einen Monat liegen die Hächsel schon auf den Beeten. Heute wurde zweimal gründlich umgegraben um eine optimale Durchmischung zu gewährleisten. Ab heute haben sie noch drei Monate - bis Ende Mai - um von Mikroorganismen zersetz zu werden. Pappel und Linde kompostieren schnell, ich rechne aber mit etwas über 12 Monate bis der Großteil sich in Komposterde verwandelt hat.
Wenn ich die Vorgänge in einem Komposthaufen richtig verstehe, dann wird die Biomasse zuerst von Bakterien, Pilzen und andere Kleinstlebewesen abgebaut. Die Nährstoffe der Biomasse werden in dieser Phase aber nicht im großen Maße freigesetzt sondern in Bakterienmasse, Pilzmasse usw. umgeformt. Nach dem Abbau der Biomasse fehlt den Mikroorganismen die Nahrung und sie sterben. Die Mikroorganismen bestehen aus den Nährstoffen der ehemaligen Biomasse . Durch das Absterben der Mikroorganismen werden erst jetzt die Nährstoffe aus der Biomasse in größerer Menge frei und damit pflanzenverfügbar.

Schnellkomposter besteht ja auch aus Mikroorganismen und etwas Dünger als Nahrung für diese.

Ist meine Vorstellung der Vorgänge in einem Komposthaufen richtig?

Wie muss ich in diesem Jahr düngen?

Ich rechne mit einem höheren Düngerbedarf, vor allem in den ersten Monaten. Ich vermute, dass besonders viel Stickstoffdünger benötigt wird.

Soll ich schon z. B. Ende März einmal düngen um den Verrottungsprozess zu beschleunigen?


Auf eure Antworten bin ich gespannt!
 

Hombre

Rocoto Rebel
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Hmmm. Du könntest ein Problem bekommen. Nämlich einer Stickstoffblockierung.
Der Holz-Anteil könnte dazu führen das dein Bodenleben sich extrem vermehrt um gegen das Holz anzukommen. Dabei verbrauchen/binden die mehr Stickstoff als sie Pflanzen verfügbar machen.
Eine Nachdüngung verstärkt das ganze dann noch weiter.
Weiteres Problem ist die Bodentemperatur. Das Bodenleben kommt so ab 12 Grad C in Fahrt vorher läuft da nicht arg viel, es wird also noch nicht viel umgesetzt.
Bis der Boden also eine annehmbare Temperatur erreich wird es schon bald Zeit zum auspflanzen.

Das ganze sind jetzt annahmen und Vermutungen, es kann natürlich sein das es sich anders verhält durch die besondere Holzsorten.
Vor vielen Jahren hatte ein Chilifreund genau solche Probleme mit Kompost Erde vom Werk bei dem noch viel Holzanteil drin war und dadurch eben genau das aufgetreten ist.
Pflanzen haben Mangelerscheinungen gezeigt und Nachdüngen über die Wurzel hat nicht gebracht. Erst eine Blattdüngung hat dann was gebracht.
 
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Anfänger2013

Jolokiajunkie
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Ups!

Gut zu wissen. Also Stickstoffbetont düngen!

Das das so radikal ausfallen kann überrascht mich doch. Ich habe mit einem überschaubaren Stickstoffraub gerechnet, aber bestimmt nicht so radikal.
Habe die Aktion sogar mit zwei Gärtner besprochen. Haben mich beide ermutigt.

Das mit der Blattdüngung ist zumindest eine praktikable Möglichkeit. Habe damit genügend Erfahrungen und jetzt, wo ich die Gefahren kenne, kann ich gegensteuern.

Ab April werde ich dann großzügig düngen. Dann müsste schon einiges verrottet sein, wenn man mit Dünger wirklich derart das Bodenleben aktivieren kann.
 
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Anfänger2013

Jolokiajunkie
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Gerade gefunden:
"Doch auch die Bakterien schaffen es nicht, energiesparend Ammoniak zu bilden. Die Dreifachbindung des Stickstoffs gehört nämlich zu den stärksten kovalenten Bindungen in biologisch wichtigen Molekülen. Für die Umsetzung von 1 Mol Stickstoff zu 2 Mol Ammoniak werden 25 Mol ATP benötigt, oder anders ausgedrückt, pro Gramm fixiertem Stickstoff werden - unter günstigsten Voraussetzungen - ca. 10 g Glucose verbraucht. Besonders aufwendig ist die Reaktion in Azotobacter, denn dort werden sogar ca. 100 g Glucose benötigt."

Die Ausbeute der Verzuckerung von einer Tonne trockenem Laubholz (atro) im Udic-Rheinau-Prozess liegt bei 220 kg kristalliner Glucose, 70 kg kristalliner Xylose, 280 kg Lignin und 220 kg organischen Reststoffen.[13]

Trockenes Laubholz:
22% Glucose = Zuckerform
7% Xylose = Zuckerform
28% Lignin = https://de.wikipedia.org/wiki/Lignin#Biologischer_Abbau = sehr langsamer Prozess, daher unproblematisch
22% organischen Reststoffe

Also 29% Zucker, der sehr schnell verwertbar ist.

Je Kilo trockenes Holz:
290 g Zucker => 29 g fixierter Stickstoff!!!!

Bei Azotobacter (arbeitet auch aerob) 2,9 g fixierter Stickstoff je Kilo Holz!

Also ab April wöchentlich umgraben oder sehr viel Stickstoffdünger kaufen!!!

Habe in zwei großen Beeten ja nur 20 Schubkarren Holzhächsel eingegraben. :banghead: :arghh: :mad: :facepalm:
 

OhneGarten

Jalapenogenießer
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Hätte auch schlimmer kommen können. Beide Holzsorten können gut von Pilzen angegriffen werden und haben kaum Biozide-Eigenschaften.
Feucht halten und in 2 Jahren sollten die Holzspäne komplett umgesetzt sein.

Eine Idee wäre direkt um die Pflanzen andere Erde zu verwenden. Die könnte man dann versuchen zu düngen. Aber ob das funktioniert ...:whistling:
 

Christobald

Chiligrünschnabel
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Irgendwas muss man ja tun bei sehr lehmigen Boden. Ein Bekannter hat das mit strohreichem Pferdemist über einige Jahre ganz gut hinbekommen.
Würden nicht Hornspäne das Stickstoff-Problem etwas verringern?

Ansonsten wie geschrieben beim einpflanzen einfach ein größeres Pflanzloch ausheben und da eben fürs Erste Jahr andere Erde nutzen.
 

Anfänger2013

Jolokiajunkie
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Was soll ich kaufen?

Entec 26 (+13S) 25 kg ist ein Stickstoff-stabilisierter Mineraldünger

oder

Aldi Rasendünger mit Langzeitwirkung
Granulierter Spezialdünger N+P2O5+K2O(+MgO+S) - 20+5+8(+2+5)
Ein Anteil von 50 % unterschiedlicher Langzeitstickstoffformen

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Theorie beim Rasenlangzeitdünger:

Dünger wird temperaturabhängig freigegeben Das Wachstum der Mikroorganismen ist auch Temperaturabhängig.
 
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Krex

Chilitarier
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Ich will euch ja nicht die Stimmung ganz vermiesen, aber als ich letztes Jahr meinen grün Kompost gesiebt habe, fand ich die Hobelspäne aus'm Hasenstall fast unverrottet vor. Und die lagen über 3 Jahre in der Erde.
Und die Hobelspäne waren feiner als die Hackschnitzel.
 

wemu

Habanerolecker
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Irgendwas muss man ja tun bei sehr lehmigen Boden. Ein Bekannter hat das mit strohreichem Pferdemist über einige Jahre ganz gut hinbekommen.
Würden nicht Hornspäne das Stickstoff-Problem etwas verringern?
Da meine Gartenerde auch einen gewissen Lehmanteil hat gebe ich beim Umfräsen der Beete immer eine Portion Sand mit rein, das lockert die Erde zumindest etwas auf.
 

Beißbeere

Habanerolecker
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Mein Vater mischt Hornspäne in den Rindenmulch von seinen Beerensträuchern um den besagten Effekt zu mildern. Du hast jetzt halt ne Menge Kohlenstoff in der Erde und der bindet bei der Verrottung eben den Stickstoff. Stress dich nicht deswegen. Auf lange Sicht hast du den Humusanteil deutlich gesteigert, was auch eine bessere Drainage ergibt. Ich habe hier im südlichen Odenwald auch extrem bindigen schweren Boden. Um das jährliche Lockern wird man wohl nie ganz rum kommen. Ich empfehle eine Grabgabel statt des Spatens und auf lange Sicht gilt es meiner Meinung den Humusanteil zu steigern. Dh. Gründungung und Mulch regelmäßig einplanen.
 

Anfänger2013

Jolokiajunkie
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Der viele Hächsel hat die Struktur der Erde sehr positiv verbessert. Auf dem Bild sieht man nur die groben Bestandteile. Es gibt auch viele feine Bestandteile. Von der Konsistenz hat sich das eingraben von den Hächsel sicher gelohnt. Die Sauerstoffversorgung der Erde wird bestimmt auch deutlich besser.

Wenn das Holz sehr langsam verrotten sollte, dann habe ich damit kein Problem, da dann auch wenig Stickstoff gebunden wird.


Es hat noch niemand gewagt einen Kommentar zu dem Rasendünger mit Langzeitwirkung abzugeben.
 

Faberrebe

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Der Rasendünger sieht ok aus. Ich würde aber auch über die bereits erwähnten Hornspäne nachdenken. Die sind noch etwas langsamer im Abbau, der außerdem ebenfalls temperaturabhängig ist. Zudem enthalten sie fast nur Stickstoff, so daß man das "Problem" direkt angeht ohne noch Nebeneffekte zu erzeugen.
 

Hombre

Rocoto Rebel
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Das zusätzliche düngen über den Boden wird dich vermutlich weiter ins Unglück stürzen.
Wenn du Stickstoff hinzugibst förderst du den Mangel.
Einzige Dünger Möglichkeit ist eben wie oben erwähnt über die Blätter.
Das ist eben die große Herausforderung bei Substraten und Erden.
Ich überlege mir schon wie man das lösen kann aber im Moment sehe ich fast nur die Lösung das Holz wieder rauszusieben.
Habe noch 2 weitere Ideen weiss aber nicht ob die fundiert sind und möchte nicht noch weiter dich ins Unglück treiben.
Habe vieles meiner Literatur leider im Moment nicht zur Hand.
 

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