Die Suche nach guter Erde

kleingaertner82

Chiligrünschnabel
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Hallo zusammen,

nachdem Ende Januar mein Haus-und-Hof-Gärtner geschlossen hat, bin ich nun auf der Suche nach Erde ganz in meiner Nähe auf eine spezielle Chilierde gestoßen.


70l für 21,90 € finde ich schon teuer. Glaubt Ihr denn, dass dieses Substrat einen Mehrwert bietet?

Alternativ gibt es dort auch TKS2 im 100l Gebinde für 19,99€.
 
Ich nutze TKS2 für Chilis in Endtöpfen, in Verbindung mit der auf aufgearbeitet Erde der Töpfe vom Vorjahr.
 
TKS2 wurde hier ja schon vielfach empfohlen, daher werde ich wohl eher dahin tendieren.

Die Erde aus den Töpfen vom letzten jahr habe ich in mein Gemüsebeet eingearbeitet und etwas organischen Langzeitdünger dazu gegeben.
Letztes Jahr ist in dem Billig-Substrat, das ich ins Beet getan habe, leider nichts gewachsen.
 
Ja TKS2 ist so billig, weil der Torf aus Mooren kommt, die dazu trocken gelegt werden und man nur abtorfen muss. Als Konsequenz wird dabei sehr viel CO2 freigesetzt, da der Torf aus Biomasse besteht, die über lange Zeit eingetragen wurde. In Kontakt mit Sauerstoff bauen Mikroorganismen diese Biomasse ab.

Die Konsequenzen der Nutzung von torfhaltigen Erden verdrängen viele Chilifreundinnen und -freunde.

Zur Klimawirkung der Torfverwendung

Moore sind langfristig die wichtigsten Kohlenstoffsenken der terrestrischen Biosphäre. Sie bedecken nur etwa 3 % der Landfläche der Erde, speichern aber 21-33 % des
gesamten organischen Kohlenstoffs. Durch Trockenlegung und den Abbau von Torf und die anschließende Verwendung als Blumenerde, als Kultursubstrat oder
zur Bodenverbesserung wird der in Moorböden gebundene Kohlenstoff als CO2 freigesetzt. Die Emissionen durch Torfabbau umfassen sowohl Emissionen aus den
entwässerten Abbauflächen als auch aus der Mineralisierung des entnommenen Torfs. In der Treibhausgasberichterstattung werden diese CO2-Emissionen ausgewiesen. Die Emissionen werden dem Land angerechnet, in dem der Abbau stattfindet. Die Zersetzung von Torf nach dem Abbau erfolgt deutlich schneller als durch Entwässerung und land- oder forstwirtschaftliche Nutzung von Moorböden. Deshalb sind die flächenbezogenen Klimawirkungen von Torfabbau und Torfnutzung, auch bei anschließender Wiedervernässung der abgetorften Flächen, im klimapolitischbetrachteten Zeitraum bis zum Ende des Jahrhunderts deutlich negativer im Vergleich zu anderen Nutzungen von Moorböden.

Torfabbau in Deutschland

Die Bundesregierung hat dem Schutz der bedrohten Moorlebensräume Rechnung getragen, indem sie ausgewählte Moorbiotoptypen unter gesetzlichen Schutz nach
§ 30 Absatz 2 des Bundesnaturschutzgesetzes gestellt hat. Darüber hinaus sind gemäß EU-Recht (Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie, Vogelschutz-Richtlinie) typische
Moorarten und Lebensräume geschützt. In Deutschland haben die Länder dafür Natura 2000-Gebiete ausgewiesen. Weitere Moorgebiete unterliegen einem nationalen
Schutzregime. Nach der grundgesetzlichen Kompetenzverteilung fällt die Umsetzung von Maßnahmen zum Moorschutz vorwiegend in die Zuständigkeit der Länder.
Die Länder mit wesentlichen Moorvorkommen haben zusätzlich eigene Moorschutzprogramme aufgelegt.

Die Genehmigungen zum Torfabbau werden nach Landesrecht erteilt. Die Bundesregierung hat keine eigene rechtliche Handhabe zur Beschränkung des
Torfabbaus. In Deutschland findet Torfabbau vor allem in Niedersachsen und in den Ländern Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein, Bayern und Baden-Württemberg statt. Aktuell werden in Deutschland von mehr als 25 Unternehmen bzw. Unternehmensgruppen Torfe abgebaut. Die Anzahl der einzelnen Torfabbaustätten
ist jedoch höher und der Umfang des Abbaus kann zwischen den Abbaustätten und jahrweise erheblich schwanken. Es gibt keine offizialstatistischen Daten zum
Torfabbau in Deutschland. Die Torfindustrie geht aufgrund auslaufender Genehmigungen davon aus, dass der Torfabbau in Deutschland bis zum Jahr 2040 weitgehend
zum Erliegen kommen wird.


Um die Emissionen aus der Torfverwendung zu verringern, reicht es nicht aus, nur den Torfabbau in Deutschland zu adressieren. Schon heute wird Torf im größeren
Umfang aus anderen Ländern der Europäischen Union für die Erdenindustrie importiert. Im Gegensatz zu Deutschland, wo nur landwirtschaftlich genutzte und
entwässerte Flächen abgetorft werden dürfen, erfolgt der Abbau im EU-Ausland überwiegend in naturnahen Moorgebieten, was mit erheblichen Auswirkungen auf Biodiversität und Klima verbunden ist. Daher muss eine Torfminderungsstrategie den Fokus auf den Ersatz von Torf als Blumenerde bzw. als Kultursubstrat und zur
Bodenverbesserung setzen.

Quelle: https://www.bmleh.de/SharedDocs/Dow...rungsstrategie.pdf?__blob=publicationFile&v=6

Weiterführende Literatur:
Planetarer Gesundheitscheck 2025, Eine wissenschaftliche Bewertung des Zustands unseres Planeten, Zusammenfassung
https://www.planetaryhealthcheck.org/wp-content/uploads/PHC25-ExecutiveSummary_DE.pdf

BUND Mooratlas 2023
https://www.bund.net/fileadmin/user_upload_bund/publikationen/naturschutz/Mooratlas_2023.pdf
 
Zuletzt bearbeitet:
Getreu dem Motto: [KiK] „Billig ist mein Ding.“ [/KiK].

Danke für deinen Beitrag 👍👍👍. Ich kann gar nicht genug Daumen-hoch dafür vergeben.
 
Dass torffreie Erde besser ist, ist mir klar. Ich suche ein gutes Substrat und hoffe einfach auf Tipps hier im Forum.
Bisher habe ich Hawita LAT-Terra Standard P verwendet.

Welches Substrat würdet Ihr denn empfehlen? Damit ich dann auf die Suche begeben kann.
 
Ich mische die von mir benötigten Substrate selbst, dazu habe ich Kokosfaser (aus Ziegeln), Bims, Sand, Kieselgur und Perlite. Tipps für gekaufte Erden habe ich daher nicht.
 
@H.erbert Dito, ich benutze auch keine fertige Chilierde in diesem Sinne. Natürlich macht das für einige den Anbau deutlich leichter und unkomplizierter und die Zusammensetzung sollte ja eigentlich gut auf die Bedürfnisse der Pflanzen (wie hier Capsicum) zugeschnitten sein. Ich persöhnlich arbeite lieber mit einzelnen Komponenten und mische mir das Substrat selbst. Somit kann ich es besser mit meinen persöhnlichen Anbaubedingungen und Erfahrungen abstimmen (z.B. Ich liebe die Sorten X, Y, und Z. X und Y können gar nicht genug Nährstoffe bekommen, aber Sorte Y performt auch mit deutlich weniger bereits nahe am Maximum . . .).

Als Basis benutze ich mittlerweile Pflanzenanzuchterde, Perlite und Kokosfaser und gebe als Zusätze orientiert an Dosierempfehlung Urgesteinsmehl, Wurmhumus, Hornspäne, organischen Tomatendünger und ggfls. noch etwas terra preta dazu. Das war in der Vergangenheit bei meinem Hochbeet und kleinen/mittleren Töpfen (bis etwa 5L) genug, dass die Pflanzen die gesamte Saison keine größeren Nährstoffmängel aufgewiesen haben.

Von den Floragard Produkten habe ich häufig positives gehört, würde aber grundsätzlich auch nur torffreie Substrate verwenden.
 
Dass torffreie Erde besser ist, ist mir klar.
Hier gibt es einige Threads mit Tipps zu Erden, Komposthöfen, Mischungen mit Gartenboden und Kokos oder Perliten. Vielleicht lohnt sich ja auch eine Sammelbestellung mit anderen Leuten aus Deinem Gartenverein. 🤷‍♂️
Leider habe ich noch keine günstige und gute torffreie Erde gefunden. Entweder war das Gießen schwierig oder es gab frühe Stickstoffmängel durch die ganzen Holzstücke und Fasern, aber vielleicht hat @karlinche neue Empfehlungen. :)
 
Die Chilierde von Floragard funktioniert richtig gut. Ich nutze die immer zur Anzucht. Dagegen habe ich mit TKS2 (plus Perlite) in der Anzucht von Chili keine guten Erfahrungen gemacht. Einigen Sämlingen schien die Erde zu stark aufgedüngt und Wasser hat sie mal so gar nicht angenommen. Aber vielleicht habe ich da nur eine schlechte Charge erwischt.
Ja, die Chilierde besteht auch zum Großteil aus Torf. Für die Anzucht in geringen Mengen kann ich das aber für mich vertreten, solange mir nichts ähnlich gutes torffreies über den Weg läuft.
Für die Endtöpfe habe ich damals eine billige Blumenerde genommen. Die wird seit nunmehr 4 Jahren immer wieder aufbereitet.
 
Ich benutze seit Jahren unter Anderem die TORFFREIE "Lecker" von Floragard.

Karl
 
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