Darf´s noch etwas Fleisch fressendes Gemüse sein?

Schneeglöckchen

Jalapenogenießer
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Oh wie schön, ein Karnivoren Thread. Durch Zufall hab ich ihn gerade gefunden. Ich hab zwar so gut wie keine Ahnung von Karnivoren, aber mein 12 jähriger ist fasziniert von ihnen und kultiviert seit 1 Jahr selbst gesäte Drosera. Spatulata und Capensis, hat mein Sohn erzählt.

Ein paar tolle Fotos haben wir.

Die kleinen, die teilweise heute ihre ersten Insekten gefangen haben

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Und eine große, die jetzt zum ersten Mal Blüten bildet
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DrNötigenfalls

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Hallo Schneeglöckchen,

Drosera spatulata als Einstieg ist gar nicht so verkehrt. :D Hatte die zu Beginn meiner "Karriere" als Karnivorenbändiger auch. Ist aber das reinste ... öhöm... Unkraut! ;) Drosera capensis habe ich immer noch in Kultur. Die finde ich auch richtig schick. Gehört sogar mit zu den größten Sonnentauarten. Aus Platzgründen musste ich irgendwann auch Prioritäten setzen. Das meiste "Unkraut" flog dann zugunsten anspruchsvollerer und optisch auch interessanterer Arten raus... :whistling:

Viele Grüße vom Doktor der Fleisch fressenden Gemüse ^^
 

Schneeglöckchen

Jalapenogenießer
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@DrNötigenfalls
Mein Sohn hat am Wochenende diesen Thread ebenfalls begeistert gelesen und hat einige neue Ideen für seinen Wunschzettel gefunden. Und von vielen Dingen hatte er auch früher schon gelesen, wie zum Beispiel von den Brutschuppen, von denen ich hier zum ersten Mal gehört hatte.

Kurze Frage an den Karnivoren Experten hier:
Können Drosera eigentlich auch in ungedüngte Kokoserde gepflanzt werden oder muss es wegen dem pH Wert unbedingt die deutlich teurere Karnivoren Erde sein bzw muss ich nach ungedüngtem Torf Ausschau halten?
 

DrNötigenfalls

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Salü Schneeglöckchen,

Mein Sohn hat am Wochenende diesen Thread ebenfalls begeistert gelesen und hat einige neue Ideen für seinen Wunschzettel gefunden.
hoffentlich habe ich deinen Sohn jetzt nicht mit dem Karnivoren-Virus infiziert! 😱:shamefullyembarrased: Kann man sehr schwer dran erkranken! Kann zur Sucht ausarten! :nailbiting: Habe einen harten Entzug hinter mir! :hilarious:
Eine VENUSFLIEGENFALLE möchte er bestimmt haben, sicher auch eine Nepenthes. Von Sarracenien ganz zu schweigen... Gibt schon krasse Sachen auf der Welt. :happy:

Können Drosera eigentlich auch in ungedüngte Kokoserde gepflanzt werden oder muss es wegen dem pH Wert unbedingt die deutlich teurere Karnivoren Erde sein bzw muss ich nach ungedüngtem Torf Ausschau halten?
Ich kann mich dunkel an Versuche mit Kokoserde erinnern, die der eine oder andere Karnivorenhalter unternommen hat, weil er aus Umweltschutzgründen keine Torfprodukte mehr verwenden wollte. Ich war einige Jahre im Forum der Gesellschaft für Fleisch fressende Pflanzen sowie in zwei britischen Karnivoren-Foren unterwegs. Die Ergebnisse waren allerdings ernüchternd, so weit ich das in Erinnerung habe. Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube, es war jemand im CPUK-Forum, der die Versuche mit Kokoserde unternommen hat. Es könnte maßgeblich mit dem pH-Wert zu tun haben. Der sollte für die meisten Karnivoren idealerweise bei 5 bis 5,5 liegen. Nepenthes mögen es nicht ganz so sauer: 5,5 bis 6. Mexikanische Fettkräuter fühlen sich am Wohlsten bei pH=7. In Karnivoren-Spezialsubstrat werden Kokosfasern beigemischt, aber nur in sehr geringem Anteil.
Ich mische seit einigen Jahren mein Karnivorensubstrat selbst, beziehe aber die Zutaten meist bei Thomas Carow in Nüdlingen. Den Weißtorf mit Zersetzungsgrad H2 in grober Aussiebung wie auch die Perlite. Bei Quarzsand greife ich lieber auf den groben von Dennerle (Kristallquarzsand 2mm) zurück. Selbst mischen ist günstiger, als die fertige Substratmischung für Karnivoren zu kaufen, aber nicht unbedingt billig. ;) Bei Thomas Carow bin ich seit mehr als 20 Jahren hervorragende Qualität gewöhnt. Da gehe ich nach dem Prinzip vor: Never change a running system oder wie der Spruch heißt. :D Es geht aber auch anders, als die teuersten Produkte zu kaufen. Beim Weißtorf ist wichtig, dass er wenig bis mäßig zersetzt und nicht gedüngt oder irgendwie aufgekalkt ist. Perlite habe ich vor wenigen Tagen erst bei Green24 bestellt - hauptsächlich für meine Chilipflanzen, habe diese aber auch beim Umpflanzen am Samstag für Cephalotus und Drosera binata verwendet. So lange es sich um reine Perlite für den Gartenbau handelt, dürfte da auch nix schiefgehen. Bei Sand oder Kies als Beimischung muss man schon aufpassen! Da bin ich als Anfänger auch schon böse auf die Nase gefallen!

Ja, beim Substrat gibt es viele Meinungen und bisweilen auch hitzige Diskussionen. In den meisten Fällen geht sogar Anzuchterde auf Weißtorfbasis. Allerdings geht der Trend wohl dahin, auch bei Anzuchterde auf Torf zu verzichten. Nach meiner Einschätzung kann ein großer Teil von Karnivorenarten durchaus in reinem Weißtorf H2 kultiviert werden. Ich würde da für eine bessere Durchlüftung des Substrates eine grobe Aussiebung verwenden. Ansonsten reicht es bei handelsüblichem Weißtorf, 20 bis 30% Gartenbauperlite (Agroperl als Beispiel) zuzusetzen. Ich kenne auch Karnivorengärtner, die Bauperlite verwenden. Da muss es sich um reine Perlite ohne Zusätze handeln.

In den von mir beschriebenen Substraten/Substratmischungen gedeihen alle Drosera - sofern es jetzt nicht ganz spezielle Sonnentau wie etwa Knollensonnentau* sind -, die Venusfliegenfalle sowie alle Schlauchpflanzen (Sarracenien). Bei Nepenthes würde ich Weißtorf und Perlite 1:1 mischen.

Eine kurze und knappe Antwort fällt mir bei diesem Thema meistens schwer. :D Manchmal führen mehrere Wege zum Ziel. Wenn ihr von D. spatulata viele Pflanzen habt, könntet ihr ja mal einen Versuch in Kokoserde wagen. Also versuchsweise mal drei Pflanzen oder so in Kokoserde setzen. Bei robusten Arten mag Kokoserde funktionieren. Am ehesten noch bei den "unkrautartigen" Sonnentau - D. spatulata, D. capillaris, D. capensis, D. nidiformis... Bei der Venusfliegenfalle, den Schlauchpflanzen und Kannenpflanzen bin ich sehr skeptisch, ob die da lange drin überleben. ;)

*Die Sache ist wie so oft komplizierter. Es gibt auch ein paar Knollensonnentauarten, die einiges mit sich machen lassen: D. menziesii, D. auriculata, D. peltata und D. hookeri.

Viele Grüße

Andreas
 
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