Gestreifte Paprika - Versuch einer Stabilisierung


jalapa

Chiliverrückte und Ex-Capsaicinmemme
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Zeit für ein Update, und zwar aus zwei Gründen:

Grund Nr. 1:
Die Sämlinge der Enjoyas (künftig als Arbeitstitel mit TJ abgekürzt, weil bei Trader Joe's gekauft) sind in ihre 3,5-Liter-Endtöpfe in Compo-Kübelpflanzenerde gewandert. So sehen sie jetzt aus, 6 Wochen nach der Aussaat in die Keimbox:

Das ist nur ein Ausschnitt. Eine Pflanze hat es, warum auch immer, nicht überlebt. Insgesamt sind es noch 27 Stück. 16 davon stehen seit zwei Wochen auf dem Esstisch auf dem Balkon (Esstische werden überbewertet :D) in der Knallsonne von morgens bis abends, und sie scheinen es zu mögen. Minimale Anzeichen von Sonnenbrand sind zwar sichtbar, aber die Wärme und das Licht, die sie dafür im Ausgleich bekommen, sind das wert.

Grund Nr. 2 für das Update:
Ich habe mich ausführlich mit meinem Bekannten, dem Professor für Pflanzenbiologie, über das Projekt unterhalten. Sein Forschungsbereich ist allerdings in der Zellbiologie, nicht in der Genetik. Trotzdem habe ich einige Dinge gelernt.

Er ist nicht der Meinung, dass, wie bei Darren Abbey beschrieben, eine EMS-Mutagenese des Saatguts für die Streifen verantwortlich ist. Bei EMS kann man überhaupt nicht steuern, welches Gen man trifft, und meist hat man dann nicht nur eine, sondern viele (tausende) von Mutationen. Dieses bewirkt schwachwachsende und verkrüppelte Pflanzen und Beeren und eine Unmenge von Phänotypen bei den Nachkommen. Das ist hier nicht der Fall. Die Nachkommen sehen alle gleich aus, und alle, die die Pflanzen angebaut haben, berichten von gelben dickwandigen großen Bell Peppers.
Auch die Theorie mit dem Zusammenhang zu den Meristemschichten hält er für Quatsch.

Seiner Meinung nach ist das CRISPR/Cas Verfahren für die Mutation verantwortlich, mit dem man sehr elegant genau das eine Gen ansteuern kann, das man braucht, und es so verändern kann wie gewünscht.
Siehe auch https://www.transgen.de/forschung/2564.crispr-genome-editing-pflanzen.html und https://de.wikipedia.org/wiki/CRISPR/Cas-Methode

Das bedeutet, dass die ausgesäten Keimlinge erst die F1 sind und erklärt, warum das (bei anderen Arten rezessive) Streifen-Gen nicht sichtbar ist. (So etwas hatte ich ja schon vermutet.) Seiner Meinung nach gibt es eine 50/50 Chance, dass die F2 gestreift ist. Wenn in der F2 keine Streifen da sind, kann ich es tatsächlich aufgeben.

Was ist auch gelernt habe: CRISPR/Cas ist zwar ein biotechnologisches Verfahren, zählt aber nicht als GMO, da man Gensequenzen des selben Organismus verarbeitet und nicht von anderen Arten (Gene von Bakterien beim Soja oder Mäusegene im Mais, um mal einige Beispiele aus dem realen Leben zu nennen). Insofern kann sich die Saatgutfirma wahrheitsgemäß von GMOs distanzieren. Und: CRISPR/Cas ist nicht nachweisbar. Niemand wird je nachvollziehen können, wie sie es gemacht haben.

Da es eine gestreifte Pflanze gibt, ist diese für die Zuchtfirma ausreichend. Ich durfte am Dienstag Versuchslabore für in-vitro-Kultur bei uns an der TU besichtigen und habe gelernt, dass man mit diesem Verfahren von einer einzigen Pflanze pro Jahr etwa 10.000 Nachkommen erzeugen kann. :wideyed: Meist mache man das in Korea, denn dort sei es noch preiswerter und die Marge noch größer. Container voller Kunststoffröhrchen mit Setzlingen für die Landwirtschaft würden so ihren Weg in Welt finden. Letztendlich erklärt das auch, warum die Pflanze patentiert ist und niemand sich die Mühe gemacht hat, Saatgut zu stabilisieren.

Ich habe mich beraten lassen, wie ich weiter selektieren soll. Die Aussage war: Saatgut von den drei besten, von drei aus dem mittleren Bereich und von den drei scheußlichsten. In diesem Zusammenhang fand mein Bekannter die Pflanzen mit deformierten Blätter sehr spannend, von denen es einige gibt. Hier vermutet er sogenannte Methylierungen, das sind genetische Modifikationen (keine Mutationen!). Auch in diese Richtung sollte ich selektieren. Hier seht Ihr die Veränderungen der Blätter:

Ich habe inzwischen beschlossen, mich als Gasthörerin für die nächste Genetikvorlesung für Anfänger im Bachelor Biologie einschreiben zu lassen. :D Sie wird zwar erst wieder im Sommersemester angeboten, aber ich möchte mich in das Thema auch theoretisch einarbeiten.
 
Zuletzt bearbeitet:

miri83

Jalapenogenießer
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Warum werden denn nicht nur die stärksten selektiert?
Wird dann in der Folge-Generation mit den aus dem mittleren Bereich und den Scheußlichen kreuzbesteubt?
 

jalapa

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Es geht mir darum, zu allererst einmal eine gestreifte Frucht zu erhalten. Wo diese sich genetisch versteckt (wenn es sie denn überhaupt gibt), ist völlig unklar. Ich gehe davon aus, dass keine einzige meiner 27 TJ-Pflanzen der F1 Streifen hat, sondern erst die Nachfolgegeneration. Alles andere wäre eine Riesenüberraschung.

Für die Folgegeneration muss ich bereits eine Auswahl aus den einfarbigen Exemplaren treffen. Die hübschesten und stärksten TJs können in der F2 wunderbare, aber einfarbige Früchte hervorbringen. Es ist durchaus möglich, dass die Streifengene in einer der anderen Gruppen versteckt sind. Wenn es mehrere gestreifte Pflanzen geben sollte, mache ich mir dann weiter Gedanken und hole mir Rat hier im Forum oder von den Biologen, die ich so kenne. Und vielleicht bin ich auch schon in der Vorlesung GE01. :D
 

jalapa

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Wenn ich Saat habe, werde ich sie bestimmt auch im Forum verteilen. Im Moment zeigen sich Mini-Ansätze von Knopsen. Leider sind die Blätter ziemlich läddiert - ich tippe auf Wespen. Etwas anderes habe ich hier oben im 2. Stock nicht.

In dieser und in der nächsten Woche werden die TJs auch urlaubsbedingt in den Halleschen Schrebergarten umziehen. Dort müssen sie dann auch noch den Angriff der Killerschneckis überstehen.
 

ToTy

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Das jähe Ende meiner ersten Tiger-Paprika-Frucht .... bedingt durch meine Abwesenheit und unzureichend liebevoller Zuwendung



allerdings gibt es noch einige weitere kleine Früchte an 2 Pflanzen ...

 

jalapa

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RedLady

Chiligrünschnabel
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Hallo,

viel Erfolg bei deinem Projekt. Heute gab es bei uns im Rewe gestreifte Paprika. Ich hab mal welche mitgenommen. Vielleicht säe ich die auch aus.

Viele Grüße

RedLady
 

ToTy

Hobbygärtner
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Heute gab es bei uns im Rewe gestreifte Paprika. Ich hab mal welche mitgenommen. Vielleicht säe ich die auch aus.
Mach ruhig, bei mir sehen die aktuell so aus und nix da ist mit Streifen ....

Pflanze 1 zog vom garten ins warme Badezimmer noch passiert nix



Pflanze 2 färbt sich um steht noch auf dem Balkon





Edit: Mittlerweile vermute ich, das die Streifen beim umfärben entstehen und Rewe sie eben genau zu diesem Zeitpunkt auf dem Markt bringt. Es sah mir im gemüseregal so aus als wollten die alle rot werden und die Streifen verlieren ....
Ich werde nochmal eine Packung kaufen gehen und einfach liegenlassen und schauen ob die dann die Streifen verlieren und komplett rot umfärben
 

karlinche

Nichtsoooscharfesser
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Hallolke,
Diese gestreiften Paprika bietet unser Rewe nicht erst seit diesem Jahr an. Ich hatte mir in 2017 auch die Mühe gemacht Saatgut daraus auszusäen. Aber siehe da; keine einzige Frucht blieb bei diesem Streifen-Design.
 

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