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Von unten gießen? - Das Experiment

Dieses Thema im Forum "Anbau & Pflege" wurde erstellt von Anfänger2013, 9. November 2017.

  1. Anfänger2013

    Anfänger2013 Chilitarier

    2.209
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    Gestern konnte ich mich mit @oophag nicht einigen, ob es sinnvoll ist Keimlinge in 6 Liter Töpfen (High Speed Grwowing: https://chiliforum.hot-pain.de/thre...r-richtigen-topfgroesse-das-experiment.27241/) von unten zu gießen oder nicht.

    Dabei ist mir aufgefallen, dass ich gar nicht genau weiß, wie sich das Wasser in einem 25 cm hohen Topf verteilt, wenn er von unten gegossen wird.

    Meine Erfahrungen habe ich nur mit deutlich kleiner Töpfen gemacht.

    Daher habe ich einen Blumentopf 16x16x25 cm mit recht trockener Erde gefüllt und 2 cm tief in Wasser gestellt.
    Ich werde den Topf einige Tage in dem Wasser stehen lassen und mir dann ansehen wie feucht die Erde ist, abhängig von der Höhe. Ich warte so lange, damit die Erde bis dahin maximal das Wasser aufgenommen hat, was sie von unten aufnehmen kann.

    20171109_085650 klein.jpg
     
  2. Taunuswaldfee

    Taunuswaldfee # Globaler Moderator

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    Ich hatte es mit 10cm Töpfen ausprobiert, da hat es 2'Tage gebraucht.
    Wenn man öfter in der Woche nachgießt hat das sicher einen ähnlichen Effekt und die Erde ist irgend wann durchweicht. Hängt auch von der Erde ab, das ist uns ja auch klar.

    Ich freu mich,d als ydu das ausprobierst :thumbsup:
     
  3. Hangu

    Hangu White Labuyo Fan

    2.678
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    Die Wurzeln der Pflanze ziehen überwiegend das Wasser hoch, nicht die Erde nur so.
     
  4. Taunuswaldfee

    Taunuswaldfee # Globaler Moderator

    11.268
    9.962
    Dann würden sich nach dieser Theorie die Töpfe mit Samen nicht vollsaugen.
    Das tun sie aber @Hangu.
     
  5. mph

    mph Indoor- und Balkonanbauer Ehrenmitglied

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    5.176
    Ich habe in meinem Chilihaus seit 2 bis 3 Monaten Autopots. Bei diesen Töpfen wird von unten bewässert. Im Untersetzer ist ein Ventil mit Schwimmerschalter. Ich habe die Autopots mit Topfgröße 15 Liter und zwei XXL mit 25 Liter. Wenn man die Töpfe in Betrieb nimmt, gießt man die Erde (oder Kokos) vorher von oben bis unten etwas heraus läuft und setzt die Töpfe nachdem das überschüssige Wasser abgetropft ist in den Untersatz. Wenn die Erde einmal komplett feucht ist nimmt sie sich von unten Wasser gut nach. Da die Töpfe recht schwer sind ist auch definitiv genug Feuchte in der Erde.
     
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  6. Hangu

    Hangu White Labuyo Fan

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    OK, habe mich falsch ausgedrückt... mit Wurzeln geht es schneller, nur Erde dauert länger.
    Ich stelle ja schon mal 2 Plastikbecher ineinander und habe nur etwas Wasser im unteren Becher. Allein eine dünne Wurzel aus dem teilweise unten offenen inneren Topf zieht all dieses Wasser heraus. Giesst man nach so wird der innere Becher bis oben hin nass ohne dass die Erde im Wasser steht.
    Allein Erde mit wenig Wasser unten dauert viel laenger, deshalb hatte ich geschrieben die Wurzeln der Pflanze ziehen ueberwiegend...
     
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  7. sebastianblei

    sebastianblei ↪ Rocci

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    Schöner Test. Danke im voraus. :)

    Wird im kommerziellen Bereich bereits von Keimling an, von unten gegossen?

    Also ich meine die klassischen Pflanzen im Baumarkt, bspw.
     
  8. mph

    mph Indoor- und Balkonanbauer Ehrenmitglied

    20.719
    5.176
    Ja klar. Wenn gleich mehrere Tausend Jungpflanzen zu gießen sind wird das oft über entsprechende Tische gemacht, die dafür regelmäßig kurz geflutet werden.
     
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  9. moppeliwan

    moppeliwan Jolokiajunkie

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    3.737
    Das Praktiziere ich bei meinen Jungpflanzen jetzt seit zwei Saisonen genauso! Wenn ich merke, die Pflanzen brauchen dringend Wasser, wird die Wanne, in der die Töpfe stehen, einfach geflutet! Erst mal großzügig und wenn es aufgesaugt ist, wird vorsichtiger nachgefüllt, bis das Wasser oben angekommen ist! Man kann es deutlich erkennen, die Erde ist dann oben „glänzend“ feucht! Damit die Pflanzen keine nassen Füße bekommen, wird anschließend überflüssiges Wasser abgeschüttet / abgesaugt! Wenn man, ein Gefühl dafür entwickelt hat, reicht eine größere Spritze zum Absaugen des evtl. zu gut bemessenen Wassers!
     
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  10. sebastianblei

    sebastianblei ↪ Rocci

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    Das ist aber sicher eine Frage des Substrats. Würde ein Anfänger mit relativ dichtem Substrat solch ein Bild präsentieren, würden wir hier alle, so wie wir sind, direkt sagen, dass die zu nass steht.
     
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  11. calium

    calium ★ яocoтo-ғeтιѕcнιѕт ★

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    2.336
    So jetzt bin ich mal der Miesepeter hier, angenommen der Keimling schafft es einen so großen Topf wie im ersten Post angegeben vollzusaugen, dann steigt sein eigener Verbrauch deshalb ja dennoch nicht. Dann ist nachher die ganze Erde nass und fängt an zu gammeln. Verstehe auch den Sinn nicht, warum man es anders als die Natur machen sollte und nicht von oben gießt. Einen Topf in einen mit Wasser gefüllten Untersetzer zu stellen hat auch wenig mit einem Ebbe-Flut System gemeinsam
     
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  12. sebastianblei

    sebastianblei ↪ Rocci

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    Kannst Du doch gern. Dafür sind doch verschiedene Meinungen da.
    Gerade wegen Deinem beschriebenen Fall, würde mich interessieren, wie das kommerziell abläuft. Die Topfen doch die Keimlinge nicht groß um, oder? Lassen die die wirklich in einem, bspw. ~ 0,5l Topf wachsen und fluten die nur auf ihren Tischen, von d. Anzucht bis zum Verkauft? Mehr nicht?
     
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  13. Anfänger2013

    Anfänger2013 Chilitarier

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    Startgewicht: 2362 g
    nach 24 Stunden: 3080 g = + 718 g

    Das Substrat ist übrigens ausgesprochen locker: Gute Torferde mit 10% Kokos locker eingefüllt.


    Hintergrundinfo zum Gießen von unten: Warum geht es hier eigentlich?

    Den ersten Ratschlag, den man im Chiliforum bekommt, ist: "Nicht zu viel gießen!"

    Was ist das Problem von einer zu nassen Erde? Wasser kann doch den Pflanzen nicht schaden?
    Wuzeln benötigen Sauerstoff um über die Zellatmung Energie für die Stoffaufnahmeprozesse zu gewinnen. Chilis sind dafür bekannt, dass sie besonders viel Sauerstoff an den Wurzeln benötigen. Wenn die Erde sehr nass ist, verdrängt das Wasser die Luft und den Wurzeln fehlt der Sauerstoff.

    Frische Luft in der Erde, am besten noch in 20 cm Tiefe?
    Der Boden besteht aus Mineralien (Steine - Sand - feiner Sand = Lehm, Ton) und organischen Substanzen (Torf, Kompost) und etwas Bodenleben. All diese Stoffe liegen auf einem großen Haufen. Dabei entstehen immer kleine Lücken. Ein guter Boden sollte ca. 25 % Luft enthalten.
    Ist für uns schwer vorstellbar, aber man darf nicht vergessen wie klein ein Sauerstoffatom ist. Am besten ist es sich die Erde vergrößert vorzustellen. Das sieht dann aus wie ein großer Zuckerrübenhaufen. Für uns immer noch undurchdringlich. Eine geschickte Fliege mit Taschenlampe kann aber durch den gesamten Haufen fliegen. Um die Lücken möglichst groß ausfallen zu lassen wird häufig eine lockere und grobe Erde empfohlen.

    Was ist jetzt das Problem mit dem Wasser? Das fließt doch irgendwann unten wieder aus dem Topf.
    Das Problem beim Wasser ist seine Oberflächenspannung. Durch die Oberflächenspannung krallt sich das Wasser in allen kleineren Freiräumen fest. Beispiel Küchensieb. Das Wasser füllt die Freiräume aus, wenn die Löcher nicht zu groß sind. Fügt man etwas Spülmittel dem Wasser hinzu, dann bleiben die Löcher frei. Ab einer gewissen Menge füllt das Wasser alle Zwischenräume und es findet kein Gasaustausch mehr statt, bis die Erde wieder abgetrocknet ist. Das ist der Grund wieso häufig empfohlen wird erst zu gießen, wenn die Erde wieder richtig trocken ist. Wenn man die Erde konstant feucht hält, reduziert man den Gasaustausch.

    Wo ist jetzt der Unterschied zwischen dem Gießen von unten und oben?
    Stell dir eine feine Gardine vor. Schüttest du Wasser von oben auf die Gardine, dann werden die feinen Löcher der Gardine, wie beim Küchensieb, durch das Wasser verschlossen. Hältst Du aber ein Stück der Gardine in einen Eimer mit Wasser, dann zieht das Wasser langsam am Stoff der Gardine nach oben. Dabei verschließt es die kleinen Lücken in den Fasern, die großen Öffnungen werden aber nicht mit Wasser gefüllt.
    Das ist der Grund wieso beim Gießen von unten mehr Luft in der Erde bleibt.


    Man nutz beim Gießen von unten die Kapilarität von Erde aus:
    Hier schön erklärt: https://www.gutefrage.net/frage/kann-mir-jmd-den-bergriff-kapillaritaet-im-boden-erklaeren
     
    Zuletzt bearbeitet: 10. November 2017
  14. sebastianblei

    sebastianblei ↪ Rocci

    1.791
    2.271
    @Anfänger2013 Wie gewohnt, ein sehr guter Beitrag von Dir, der mir durchaus sinnig erscheint.
     
  15. mph

    mph Indoor- und Balkonanbauer Ehrenmitglied

    20.719
    5.176
    In vielen größeren Betrieben arbeitet man bei Keimlingen und Jungpflanzen fast nur mit Fluttischen, in die man Trays stellt. Wie feucht die Erde wird steuert man über die Zeit, wie lange das Wasser in den Rinnen der Fluttische steht. Da geht keiner mehr hin und gießt täglich 10000 Pflanzen oder mehr mit der Gießkanne. Mit Beregnung von oben lässt sich das auch nicht gut machen, denn ein Teil des Wassers läuft durch die Blätter ab und teilweise woanders hin als es soll. Mit Fluttischen lassen sich große Mengen Pflanzen relativ gleichmäßig bewässern. Es gibt Traysubstrate, die man dafür verwenden kann, meistens mit Torf, aber auch mit Torf und Perliten oder mit Torf, Kokos und Perliten. Bei der Bewässerung kann man auch noch Nährsalze oder Flüssigdünger zusetzen.