Ich kann mir eigentlich kaum vorstellen, dass man ein lebendiges Gärprodukt unter Unterdruck abfüllen kann. Die Gärung ist ja nie ganz zu Ende, sodass es den Unterdruck kaum halten würde. Hat da jemand Expertenwissen? [...]
ja, irgendwann entsteht einfach nicht mehr viel gas, das ist mir selber schon gelungen. vor allem, wenn das produkt keinen freien zucker mehr hat (oder nicht genug, oder nur den falschen), woraus die erwünschten bakterien etwas gewinnen könnten. die sterben ja durch die konzentration an eigenen stoffwechselprodukten irgendwann genauso ab, wie eingesperrte hühner in der massenzucht.
genauso bei der produktion von bier oder wein, irgendwann ist vorbei.
wenn da tatsächlich einmal eine 'monokultur' aus gewünschten bakterien entsteht, dann sterben die gewünschten bakterien auch irgendwann ab und die konserve verändert sich nicht mehr großartig. es finden noch enzymatische prozesse statt, das aroma verändert sich und wird meistens milder - irgendwann auch unappetitlich, oder muffig - aber wenn es einmal richtig haltbar ist, dann kann man das auch ein oder zwei jahre lang stehen lassen.... das ist ja auch sinn und zweck des ganzen.
und das mit dem starter... man braucht eigentlich keinen

was dann immer so schön unter "wilde fermente" läuft.
reden wir jetzt nur von milchsaurer vergärung? da gibt es ja unterschiedliche stämme, die eigentlich immer da sind. aber je nach nährbasis setzen sich eben andere bakterien durch, solange die lebensbedingungen passen. für milchprodukte kommen andere milchsäurebakterien zum einsatz, als beim gemüse ^^ daher macht ein molkezusatz in sauerkraut für die fermentierung nur sehr begrenzt sinn. es kann sich durch die prozesse aber durchaus auf den geschmack auswirken!
zeit und temperatur spielen aber auch eine rolle. erstmal entstehen lauter bakterien, die wir nicht haben wollen und machen eine art pionierarbeit. auf dem so geschaffenem "boden" breiten sich dann letztendlich die bakterien aus, die wir als "nützlich" bezeichnen. die ersten "unerwünschten" phasen bilden natürlich auch geschmackskomponenten
ja und wegem dem unterdruck, oder "nulldruck", also ausgeglichen: der ist eigentlich indikator für saure konserven, das darin eben nichts mehr lebt! die mikroben haben ihre aufgabe erfüllt und sterben. das geht mit pasteurisierung halt schneller und sicherer

warum ist das wohl beim joghurt so wichtig, wenn z.b. das allseits beliebte chlostridium botulinum so gern anaerobe, eiweißreiche umgebungen lieb hat ^^
deshalb bekommt man in einem reinem gemüseansatz von z.b. chili keine botulinumbakterien in ausreichender menge. sind die chilis mit käse gefüllt, sieht das gleich ganz anders aus
